Abgelehnte Erlaubnis für Laienpredigt stößt auf negative Reaktionen

Der Vatikan erteilt den deutschen Bischöfen keine Erlaubnis, Laien in Messfeiern predigen zu lassen. Den entsprechenden Bescheid machte die für Gottesdienstfragen zuständige römische Behörde am Dienstag bekannt. Er war auch Thema eines Treffens der Ortsbischöfe am Dienstag in Berlin, wie der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz mitteilte. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erwartet von den Oberhirten dennoch eine Sonderregelung für Laien.
Die ZdK-Vorsitzende Irme Stetter-Karp erklärte, man sei an dem Antrag "nicht beteiligt" gewesen. Fest stehe, dass der Synodale Weg den Text "Verkündigung des Evangeliums durch Lai*innen in Wort und Sakrament" im März 2023 auch mit hoher Beteiligung der Bischöfe beschlossen habe. "Wir erwarten also, dass sich die deutschen Bischöfe Rom gegenüber erneut zu ihrer inhaltlichen Position in der Sache bekennen, Argumente stärken und das Schreiben Kardinal Roches in keinem Fall als Entmutigung lesen", erklärte Stetter-Karp.
kfd: Zeichen für mangelnde Gleichberechtigung
Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) wertete die Antwort aus Rom als "weiteres Zeichen für die mangelnde Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche". "Solange Frauen trotz ihrer Kompetenz, ihrer Berufung und ihres Engagements von zentralen Diensten ausgeschlossen bleiben, verliert die Kirche weiter an Glaubwürdigkeit", sagte Ruth Fehlker, Geistliche Leiterin des kfd-Bundesverbandes.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer.
"Die Entscheidung zeigt erneut, wie groß die Kluft zwischen den pastoralen Realitäten vieler Ortskirchen und den Vorgaben aus Rom ist", so Fehlker "Die Frage ist längst nicht mehr, ob Frauen zur Verkündigung befähigt sind. Die eigentliche Frage lautet, warum die Verantwortlichen in Rom die Charismen und Berufungen von Frauen und Männern weiter ignorieren."
Wir sind Kirche: "Realitätsferne Prinzipienentscheidung"
Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" nannte die Absage des Vatikans eine "völlig realitätsferne Prinzipienentscheidung". Schon angesichts der Überalterung der Priester in Deutschland und des minimalen Nachwuchses "würde die strikte Anwendung dieser Regel zu einem weiteren Verschleiß der noch vorhandenen Kleriker und zu einem Ausbluten von Pfarreien und Gemeinden führen", erklärte die Initiative.
Das römische Schreiben antwortet auf eine Bitte des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, nichtgeweihten Männern und Frauen mit theologischer Vorbildung die Predigt in der Messe zu erlauben. Damit entsprach Wilmer einer Forderung des deutschen Synodalen Wegs.
Weiterbildung von Priestern angemahnt
Die von Kardinal Arthur Roche geleitete Gottesdienst-Behörde im Vatikan verwies auf das allgemeine Kirchenrecht, nach dem die Bibelauslegung in Messfeiern "als integraler Bestandteil der Liturgie einem Priester oder Diakon vorbehalten" sei. Begründet wird dies damit, dass Verkündigungstätigkeit und Feier der Sakramente inhaltlich zusammenhingen und somit beide Formen der geistlichen Amtsausübung darstellten. Eine Ausnahme könne es auch "bei Vorliegen schwerwiegender pastoraler Erwägungen" nicht geben, hieß es.
Der Vatikan erinnerte in dem Zusammenhang an die Verpflichtung der geweihten Amtsträger zu ständiger Weiterbildung. Es gelte, die "realen Herausforderungen" anzuerkennen, die oft die Qualität der Predigten beeinträchtigten. Die Verantwortung für das Bildungsniveau der Kleriker liegt nach katholischer Lehre bei den Ortsbischöfen. (KNA)