EWTN und AfD – Rosinenpicken aus menschenfeindlicher Ideologie
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Gestern würdigte Steffen Zimmermann den Einsatz der Katholiken im Bistum Magdeburg für Menschenwürde, Nächstenliebe und Demokratie im Vorfeld der Landtagswahl. Für ihren Widerstand gegen die Verrohung würden sie von der AfD "lächerlich gemacht", beschimpft und "unter Druck gesetzt", beklagt Bischof Gerhard Feige, den die "Intensität" der Angriffe an Zeiten der Diktatur erinnert. Gegen solche Einschüchterungsversuche sind alle Gläubigen in Deutschland aufgerufen, der "kleinen Herde" (Lk 12,32) der Katholiken Sachsen-Anhalts "beizustehen, Ihre Stimme zu verstärken" (Zimmermann) – gemäß dem Bild vom Leib, in dem "alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit" (1 Kor 12,25f).
EWTN.de aber zog es vor, dem Bischof "extrem scharfe Worte zur AfD" zu attestieren und geradezu eine Obsession zu insinuieren ("seit Monaten und Jahren immer wieder gegen die AfD", "mit besonderer Schärfe"). Dass die AfD versuche, Kirche "verbal niederzuknüppeln", habe Feige bloß "behauptet". Bischofszitaten stellt man Passagen des AfD-Wahlprogramms gegenüber, die wohl den Eindruck erwecken sollen, Feige schelte die Falschen. Die Partei vertrete "eine Reihe von Positionen, die noch unter Papst Benedikt XVI. ganz allgemein von Kirchenvertretern unterstützt wurden, darunter der Schutz des ungeborenen Lebens und die Förderung der Familie, bestehend aus Ehemann und Ehefrau sowie den Kindern."
Mal abgesehen von der Spitze gegen Benedikts Nachfolger, die damit quasi als unzuverlässiger in diesen Anliegen abgewertet werden: Dass sich ein "Cherry Picking" einzelner, vermeintlich guter Ziele einer vom Landesverfassungsschutz als "gesichert rechtsextrem" eingestuften Partei nicht gehört, sollte in Deutschland seit 1945 jeder begriffen haben. In völkisch-menschenfeindlicher Ideologie Richtiges zu suchen und selektiv herauszustellen, ist obszön. Lebensschutz ist aus päpstlicher Sicht ein integrales Prinzip, das sich nicht auf ein bis zwei Themen verkürzen lässt. Zudem haben Gutachten katholischer Sozialethiker scheinbare Übereinstimmungen der AfD mit kirchlicher Lehre als Mogelpackung entlarvt. Wenn Glaube, Vernunft und Moral zusammengehören, dann haben die Schreiber des ostentativ katholischen Senders den Lackmustest nicht bestanden.
Der Autor
Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
