Bischofsweihen der Piusbruderschaft

Der Bannstrahl der Exkommunikation reicht bis nach Bayern

Veröffentlicht am 25.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Renzikowski und Ludwig Ring-Eifel (KNA) – Lesedauer: 

Rom/München ‐ Wenn die Piusbrüder gegen den Willen des Papstes vier Bischöfe weihen, ist darunter ein Mann in Bayern: Pascal Schreiber. Er leitet das Priesterseminar Zaitzkofen. Bald wird er wohl exkommuniziert.

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Zaitzkofen im Landkreis Regensburg ist ein beschauliches oberpfälzisches Dörfchen: 250 Einwohner, zwei Bushaltestellen, 2,5 Kilometer bis zum nächsten Bahnhof. Einzige Attraktion: ein Barockschloss mit weitläufigem Park, errichtet im 18. Jahrhundert. Seit 1978 ist es eine von mehreren internationalen Ausbildungsstätten für künftige Priester der traditionalistischen Bruderschaft Sankt Pius X.

Dort bereiten sich, fern von Verkehrslärm und sonstigen Ablenkungen, derzeit 54 junge Männer, zumeist aus Ländern Nord- und Osteuropas, als Seminaristen auf die Priesterweihe vor. Die Zahl ist Rekord in der Geschichte des nördlichsten Seminars der Piusbrüder, das seit August 2020 der Schweizer Pascal Schreiber leitet.

Allein 2025 verzeichnete das Seminar unter ihm als Regens neun Eintritte, darunter vier Deutsche, zwei Schweizer, zwei Polen und ein Slowene. Ihr Altersdurchschnitt: unter 22 Jahre.

Streng getakteter Tagesablauf

Ihr Tagesablauf zwischen alter lateinischer Messe, Stundengebet und Vorlesungen ist von 6 bis 22 Uhr streng getaktet. Die lange schwarze Soutane tragen die Brüder schon vor der Weihe, auch während der Gartenarbeit - oder beim Schlittschuhlaufen auf dem Teich in kalten Wintern. Wer sie beobachtet, fühlt sich wie mit einer Zeitmaschine in die Epoche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) zurückversetzt.

Priesterweihe
Bild: ©KNA/Wolfgang Radtke (Archivbild)

Priesterweihe in Zaitzkofen – der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer weist vor jeder Weihe deutlich darauf hin, dass sie unerlaubt sind. Ohne Erfolg.

Ihren Regens, einen freundlichen Mann Anfang 50 mit weichem Schweizer Akzent, werden die Seminaristen in der oberpfälzischen Provinz demnächst nicht mehr so häufig sehen wie bisher. Denn Schreiber steht auf der Liste der vier Geistlichen, die am 1. Juli in der weltweit agierenden Piusbruderschaft zu Bischöfen geweiht werden. Er wird dann voraussichtlich die Zuständigkeit für Firmungen und Priesterweihen im nicht-romanischen Teil Europas zugeteilt bekommen und viel auf Reisen sein.

Sechs Geistlichen droht Exkommunikation

Zudem droht ihm, zusammen mit den drei anderen neu geweihten Bischöfen - sie kommen aus Frankreich und den USA - die Exkommunikation. Dieses Schicksal teilen sie dann mit den beiden schon seit fast 30 Jahren geweihten älteren Bischöfen der Bruderschaft.

Diese, ein Schweizer und ein Spanier, werden die Weihe spenden. Und im selben Moment werden die beiden unerlaubt Weihenden, ebenso wie die vier illegal geweihten, gemäß dem katholischen Kirchenrecht "automatisch" (also ohne Gerichtsverfahren oder Anhörung) mit der höchsten kirchlichen Strafe belegt: Sie werden exkommuniziert. Dass dies wirklich so geschehen ist, wird der Vatikan wenig später dann auch offiziell mitteilen.

Trotz Verbots gültige Weihen

Am Verhältnis zwischen den dann sechs vom Papst exkommunizierten Bischöfen einerseits und den Priestern und Anhängern der Bruderschaft andererseits wird sich dadurch wenig ändern: Die alten und neuen Bischöfe werden Priester weihen (unerlaubt, aber gültig). Sie werden Firmungen und andere Sakramente spenden. Und sie werden gemeinsam mit dem Oberen der Gemeinschaft, dem italienischen Priester Davide Pagliarani, und den sogenannten Distrikts-Oberen die weltweite Bruderschaft leiten.

Auch unerlaubt geweihte Priester und Bischöfe können gültig die Sakramente spenden. Das macht dieses Überleben in der Grauzone möglich. Welche Folgen all das für das kirchenrechtlich unerlaubte, aber dennoch real funktionierende Priesterseminar in Zaitzkofen haben wird, bleibt zunächst offen.

Nach der letzten unerlaubten Bischofsweihe der Piusbrüder mit folgender Exkommunikation im Jahr 1988 wanderten etliche Priester und Gläubige ab. Sie schlossen sich der vom Papst erlaubten, weniger radikalen traditionalistischen Petrusbruderschaft an. Doch nach einer Weile fingen sich die Piusbrüder wieder und verzeichneten erneut wachsenden Zulauf.

Derzeit über 700 Priester weltweit

Mit ihren derzeit über 700 Priestern und mehr als 200 Seminaristen weltweit ist sie in den meisten Ländern eine eher marginale Größe. Zum Vergleich: Die katholische Kirche zählt weltweit mehr als 400.000 Priester.

Doch wegen ihres stetigen Wachstums und ihrer radikalen Ablehnung der modernen Gesellschaft und ihrer Freiheiten steht die Bruderschaft immer wieder im Fokus des Interesses. Und das dürfte nach der schlagzeilenträchtigen Exkommunikation ihrer neuen und alten Bischöfe durch den Papst eher zunehmen als abflachen.

Von Christoph Renzikowski und Ludwig Ring-Eifel (KNA)