Europas evangelische Kirchen und Vatikan setzen Dialog aus

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und der Vatikan haben ihre Lehrgespräche vorübergehend ausgesetzt. Die Gespräche waren 2018 von der in Basel tagenden Vollversammlung der GEKE beschlossen worden, um auf der Ebene der Leuenberger Konkordie den Dialog mit der katholischen Kirche zu führen.
Mit der Konkordie, einem protestantischen Ökumene-Dokument, hatten 1973 die seit der Reformation getrennten lutherischen und reformierten sowie die aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen ihre Differenzen überwunden und Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft erklärt. Dabei wurden die unterschiedlichen Lehrmeinungen der Kirchen nicht verworfen. Sie gelten nun allerdings nicht mehr als "kirchentrennend". Später schlossen sich auch die Methodisten der Leuenberger Konkordie an.
"Rom fragt uns: Wer seid ihr denn?"
Wie die GEKE und der Vatikan in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, bedeute die Pause "nicht das Ende des Dialogs." Sie solle dazu dienen, die bisherigen Erfahrungen auszuwerten und die Voraussetzungen für eine mögliche Fortsetzung des Dialogs zu klären.
Die Präsidentin der GEKE, die Schweizer Theologin Rita Famos, nannte den Dialog in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) schwierig. "Denn Rom fragt uns: Wer seid ihr denn? Ihr seid weder lutherisch, noch reformiert, noch methodistisch", so Famos. Die katholische Kirche spricht traditionell eigentlich immer nur mit einem Gegenüber.
Die Idee von 2018 sei es aber gewesen, das Modell der Kirchengemeinschaft nach der Leuenberger Konkordie mit Rom ins Gespräch zu bringen. "Aber für Rom ist das schwierig: Mit einer konfessionell gemischten Kirchengemeinschaft kann der Vatikan nicht umgehen", so Famos. "Aber wir sagen eben: Genau das macht uns aus." (KNA)