Wer die Kirche mitträgt, verdient Respekt statt Herabsetzung
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Beim ökumenischen Kongress "Mission is possible" in der vergangenen Woche verglich Johannes Hartl die Kirche mit einem Restaurant, dessen Mitarbeiter sich zwar um interne Abläufe, Servietten und Tischdekoration kümmerten, aber ihre Gäste hungern ließen. Selbst Präventionskonzepte dienten ihm dabei als Beispiel für die vermeintliche Selbstbeschäftigung der Kirche.
Dieser Vergleich Hartls ist eine Geringschätzung des Engagements vieler Menschen, die Tag für Tag in der Kirche ihren Dienst tun: in Gemeinden, Schulen, Krankenhäusern, der Pfarrcaritas, der Jugendseelsorge oder den kirchlichen Hilfswerken. Sie kümmern sich nicht um die "Tischdekoration". Sie stehen an der Seite von Menschen und geben so Zeugnis für Christus. Sie begleiten Sterbende, fördern Kinder, helfen Armen und besuchen Einsame, feiern Gottesdienste und beten in vielfältigen Formen. All das ist Teil der missionarischen Sendung der Kirche in der Nachfolge Jesu.
Allerdings ist nicht die Kritik als solche das Problem. Es ist die Haltung, in der sie vorgetragen wird. Seit Jahren zeigt sich in Teilen dieser kirchlichen Szene ein ähnliches Muster: Die eigene Bewegung erscheint als lebendig und geistlich kraftvoll, die übrige Kirche wird dagegen als bürokratisch und erschöpft dargestellt. Man fragt sich, warum es immer die Herabsetzung der anderen braucht. Warum muss der andere klein gemacht werden, damit man selbst groß und erfolgreich erscheinen kann?
Auch die Rolle von Bischöfen, die bei solchen Veranstaltungen auftreten und diesen herabsetzenden Aussagen nicht widersprechen, ist irritierend. Gerade als Hirten der Kirche müssten sie die Gläubigen gegen diese Zerrbilder verteidigen. Das ist diesmal, zumindest öffentlich, nicht geschehen. Eine kritische Reflexion erscheint hier angebracht.
Jesus hat Menschen aufgerichtet, nicht den Dienst anderer herabgesetzt. Wer die Kirche ohne große Bühne mitträgt, verdient Respekt, Wertschätzung und Dank – nicht pauschale Herabsetzung. Den anderen in seiner Art, zu glauben und Zeugnis zu geben, gelten zu lassen, wäre sicher selbst schon ein missionarisches Zeichen.
Der Autor
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
