Meier: Die großen Kirchen sind manchmal schwerfällig

Erster Augsburger Missions-Kongress lässt Jubel und Kritik vernehmen

Veröffentlicht am 21.06.2026 um 13:20 Uhr – Von Christopher Beschnitt (KNA) – Lesedauer: 

Augsburg ‐ Wie lässt sich der christliche Glaube stärker unter die Menschen bringen? Dieser Frage hat am Wochenende ein neuer Missions-Kongress in Augsburg nachgespürt – inklusive Bischofs-Tipp für einen kleinen Pfarrer-Klaps.

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Dafür, dass es um einen Missstand geht, herrscht hier ganz schön gute Laune. "Der Kongress für alle, die ihre Kirche verändern wollen!" – das steht über der Premiere der Missions-Konferenz "Mission is possible" (Mission ist möglich) im Augsburger Kongress am Park. Die Kirche verändern wollen, heißt ja, nicht zufrieden mit dem Status quo zu sein. Und an Letzterem gibt es in der Tat Kritik, vom Bischof bis zur Pfarrgemeinderätin und stets flankiert von Lachen und Jauchzen.

Gleich zu Beginn scherzt der Moderator auf der Bühne, die Organisatoren hätten im Vorfeld für Sonnenschein gebetet, das sei wohl etwas arg gut gelungen. Großes Gelächter unter den 1.000 Leuten im Publikum, schließlich brutzelt das Land gerade auf einer Hitzewelle. Also dann, ein Gottesbeweis schon zum Auftakt, was mag jetzt noch kommen? Hoffentlich tolle Anregungen dazu, wie sich der christliche Glaube stärker verbreiten lässt, antwortet Angelika Gomm. Die 55 Jahre alte Pfarrgemeinderatsvorsitzende ist aus dem Oberallgäu angereist und katholisch.

Buntes Publikum

Viele andere Besucherinnen und Besucher geben sich bei einer Abfrage durch die Moderatoren ebenfalls als romtreu zu erkennen, andere als evangelisch, aus dem landes- wie aus dem freikirchlichen Bereich. Überdies werden einige Arme hochgestreckt, als die Frage nach weiteren religiösen Beheimatungen kommt, nach messianischen Juden etwa, also Juden, die an Jesus Christus als Erlöser glauben. Auch äußerlich ist die Versammlung eine bunte Truppe: Ein junger Mann mit Afro-Frisur sitzt neben einem anderen mit Alt-Herren-Glatze, Ordensschwestern mit Schleier sind ebenso zu sehen wie Priester in kurzen Hosen, bebrillte Seniorinnen ebenso wie Babys mit Gehörschutz.

Breitgefächert erscheint auch das Team hinter "Mission is possible". Die Internetseite zu dem zweitägigen Programm aus Vorträgen, Workshops, Musik und Gebet verweist im Impressum auf das Augsburger Gebetshaus unter Leitung des katholischen Theologen Johannes Hartl. Zugleich wird ein Trägerkreis angeführt, zu dem zum Beispiel die katholischen Bischöfe von Augsburg und Passau gehören, Bertram Meier und Stefan Oster.

Rufe von "Amen" und "Halleluja"

Auch Mihamm Kim-Rauchholz zählt dazu. Sie ist theologische Referentin der Liebenzeller Mission, einer evangelischen Gesellschaft zur Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu. Mission sei kein Randthema des christlichen Glaubens, betont Kim-Rauchholz. "Und nichts ist wichtiger in der Missionsarbeit als Zeuge zu sein. Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird", ermuntert sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

Bischof Bertram Meier spricht beim Missions-Kongress in Augsburg in ein Mikrofon
Bild: ©KNA/Christopher Beschnitt

Bertram Meier, Bischof von Augsburg, spricht beim Missions-Kongress "Mission is possible" in Augsburg.

Es folgen Beifall, Jubel, Rufe von "Amen!" und "Halleluja!". Solche Reaktionen ernten immer wieder auch jene Menschen, die von eigenen missionarischen Bemühungen erzählen. So berichten die Macher von "United Praise" aus dem katholischen Bistum Speyer vom Wachsen ihrer Gebetsinitiative über Jahre hinweg. Sie ermuntern das Publikum dazu, nach dem Kongress Ähnliches zu starten, einfach mal was zu wagen, um das Evangelium unter die Leute zu bringen. "Amen!", hallt es zurück. Viele Gesichter strahlen. Mancher hält seine Hände hoch. Es sieht nach Aufbruchstimmung in Sachen Jesus aus. Dazu passen Überlegungen Johannes Hartls: Wer weiß, meint er, vielleicht werde man in einigen Jahren zurückblicken und sagen, der Missions-Kongress damals, das sei einer der Momente des Neuerstarkens des Christentums gewesen.

Theologe verspottet Kirche

Im Moment liegt Hartl zufolge aber noch einiges im Argen. Mission und Kirche? Das klingt bei ihm nach Gegensatz. Der Theologe verspottet die Kirche als Restaurant, dessen Mitarbeiter sich um tolle Servietten sorgten. Komme jedoch jemand zum Essen, sagten sie: "Unsere Schwerpunkte sind eher die Mitarbeiterkultur und das Rechnungswesen, wir haben sogar ein Präventionskonzept und wir haben wunderschöne Tischdeko." Hartl klagt: "Wir sehen nicht, dass es Menschen gibt, die verschmachten." Doch das Interessante an der Kirche sei nicht die Kirche, sondern Jesus, auf den sich im Übrigen alle Christen einigen könnten.

Diese Einheit beschwört auch Bertram Meier. Das, was Christen verbinde, sei viel stärker als das, was sie trenne, sagt der Augsburger Bischof. Und er gibt Hartl recht: Die großen Kirchen seien manchmal schwerfällig wie ein großer Dampfer. Ihre ständige Befassung mit Strukturreformen sei ein Bremsklotz für die Evangelisierung. Meier rät den Gläubigen: "Auch ein Pfarrer kann manchmal einen kleinen Klaps gebrauchen, damit er wieder daran denkt, dass er spirituell und pastoral stärker unterwegs ist."

Bischof würdigt das Beten

Meiers Passauer Amtskollege Stefan Oster würdigt derweil das Beten: "Gebet ist die Ausdrucksform für die qualitätsvolle Beziehung mit dem Herrn." Ihm solle man sich wartend aussetzen. "Bis er sich von sich her zeigt – und nicht so, wie ich ihn eh schon vermeintlich kenne." Weitere Ratschläge und Informationen wollen diverse Aussteller im Messe-Bereich geben, den es neben dem Bühnenprogramm auch noch gibt. Dem Erzbistum Köln kann man dort ebenso begegnen wie dem Verein "Elijah 21 – Jesus für Muslime".

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Angelika Gomm geht am Ende des Kongresses an den Ständen vorbei nach draußen. Ihr Fazit? "Es war eine ganz tolle Atmosphäre. So viele interessante, nette Leute, so berührende Lobpreismusik, so bewegende Worte." Die wichtigste Erkenntnis: "Egal, welche Frage: Jesus ist die Antwort." Irgendein Kritikpunkt? "Die Fülle des Programms war etwas viel für zwei Tage." Ob der Missions-Kongress fortgesetzt wird, ist noch unklar. Falls ja, wäre Gomm gern wieder dabei. Sie meint: "Man muss den Glauben ausstrahlen, dabei helfen solche Veranstaltungen."

Von Christopher Beschnitt (KNA)