Theologe fordert Ende des Predigtverbots für Laien

Der Schweizer Theologe Stephan Schmid-Keiser hält die vatikanische Entscheidung, Laien vom Predigtdienst auszuschließen, für "mehr als unverständlich". Bei der Befugnis zum Predigen gehe es "um die Anerkennung von dazu Befähigten", sagte er dem kirchlichen Internetportal "kath.ch" am Donnerstag.
Niemand habe ein Recht zu predigen, doch könnten auch nichtgeweihte Seelsorgerinnen und Seelsorger, etwa Gemeindereferenten, den bischöflichen Auftrag zum Predigen erhalten. Das sei schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums so gehandhabt worden, erinnerte der Liturgiewissenschaftler und Sakramententheologe. Es komme dazu, dass sich Frauen und Männer durch langjähriges Engagement auf den kirchlichen Dienst vorbereitet hätten.
Theologe fordert Orientierung am Konzil
Mit ihrem Verbot übersehe die Leitung der Weltkirche rechtshistorische Fakten. Das Argument, es seien allein die Ordinierten, die den Vorsitz einer Eucharistiefeier innehaben und damit Wort und Sakrament untereinander verbinden, habe wenig Kraft. Schließlich brächten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Eucharistie durch ihr Mitfeiern ihr gemeinsames Priestertum zum Ausdruck. So seien Abgrenzungen zwischen Ordinierten und Nicht-Ordinierten bezüglich der Predigt im Gottesdienst "wenig zielführend". Schmid-Keiser kritisiert, diese Praxis schwäche "die Bildung von Gemeinschaft vor Ort in einer Gesellschaft, die kirchlichen Institutionen gegenüber kritischer geworden ist".
Der Theologe fordert eine Überarbeitung des geltenden Kirchenrechts, weil dieses das Predigtverbot für Laien zementiere. Außerdem plädiert er dafür, dass es in jeder Ortskirche möglich sein solle, auch Nicht-Ordinierten das Predigen zu erlauben. Schließlich sei seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil "die Ausübung der drei Dienste des 'Leitens' des 'Lehrens' und des 'Heiligens' Sache aller Christgläubigen". Durch erneute Verbote verliere man viele menschliche und beruflich erworbene Ressourcen. (KNA)