Politiker erklärt sein Verhältnis zum Pontifex

JD Vance und Leo XIV.: Der Vize und sein Papst

Veröffentlicht am 28.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Ludwig Ring-Eifel (KNA) – Lesedauer: 

New York/Vatikanstadt ‐ Dass JD Vance versucht habe, den Papst über Augustinus und die Lehre vom gerechten Krieg zu belehren, gehört zu den Lachnummern, die über die Regierung Trump verbreitet wurden. Vance sieht sich missverstanden.

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Es war ein verbaler Schlagabtausch in mehreren Etappen um den Krieg in Nahost: Zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Team auf der einen Seite und Papst Leo XIV. und seinem Staatssekretariat auf der anderen. Im Verlauf hagelte es getwitterte Tiefschläge, rhetorische Spitzen und moralische Ohrfeigen.

Am Ende, nach der Unterzeichnung des vor allem von Vizepräsident JD Vance ausgehandelten "Deals" zwischen Teheran und Washington, gab es am Mittwoch bei der Generalaudienz großes Lob vom Papst für den Willen zum Frieden. Und beinahe gleichzeitig einige überraschende Klärungen von Vance über sein Verhältnis zur katholischen Kirche insgesamt und zum Papst im Besonderen.

Fernduell zwischen dem Vatikan und Washington

Vance hatte auf dem Höhepunkt des verbalen Fernduells zwischen dem Vatikan und Washington um die ethische Erlaubtheit der amerikanisch-israelischen Militärschläge gegen den Iran und seine Verbündeten den Papst in die Schranken gewiesen. In einem Interview erklärte er sinngemäß, Leo XIV. solle sehr genau abwägen, was er sagt, wenn er sich in politische Angelegenheiten einmischt. Seine Aufgabe als Papst seien die grundsätzlichen religiösen und ethischen Prinzipien jenseits des politischen Tagesgeschäfts.

Wie schon zuvor einige Äußerungen von Vance über die kirchliche Lehre vom gerechten Krieg wurden auch diese Sätze des Vizepräsidenten in Kommentaren als anmaßend kritisiert: Da erdreiste sich offenbar ein theologisch mäßig gebildeter Autodidakt, dem Papst persönlich zu erklären, wie er sein Amt und die Lehre vom gerechten Krieg zu verstehen habe.

Neues Buch "Communion"

Nun hat der Mann, der vermutlich die besten Chancen hat, als aussichtsreichster Kandidat für Trumps Nachfolge in den nächsten US-Präsidentschaftswahlkampf zu gehen, gleich zweimal die Gelegenheit ergriffen, sein Verhältnis zum Papst differenzierter darzulegen.

Die eine Gelegenheit bot ihm sein in diesen Tagen erscheinendes Buch "Communion". Darin schildert er seinen jahrzehtelangen Umweg zum katholischen Glauben, der ihn zum derzeit wohl bekanntesten Konvertiten gemacht hat. Das Buch enthält neben spannenden Einblicken in das intellektuelle und existenzielle Ringen des Soldaten und des Yale-Studenten Vance auch eine höchst interessante Schilderung seiner Begegnung mit Papst Franziskus (2013–2025) im Vatikan am Tag vor dessen Tod, am Ostersonntag 2025.

J.D. Vance und Papst Franziskus
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani (Archivbild)

Das neue Buch von JD Vance enthält auch eine höchst interessante Schilderung seiner Begegnung mit Papst Franziskus im Vatikan am Tag vor dessen Tod.

Darin schildert er zunächst, dass es der Vatikan gewesen sei, der das Gespräch suchte – während in Medien damals kolportiert wurde, Vance habe sich dem todkranken Papst aufgedrängt. Äußerst gemischt fällt Vance's Urteil über die Spitzen der Vatikan-Diplomatie aus, mit denen er sich damals ebenfalls austauschte. Einerseits lobt er seine Gesprächspartner, dass sie zu außenpolitischen Themen sehr viel mehr Substanzielles zu sagen gehabt hätten, als er erwartet habe.

Eher kritisch fällt hingegen sein Urteil über die Äußerungen der vatikanischen Seite zum Thema Migration aus. Die Vatikandiplomaten hätten zu dieser Frage nicht sehr klar gesprochen. "Was sie sagten, war zu abstrakt, um hilfreich zu sein." Er selbst, so Vance, hätte Kontroversen nicht gefürchtet, war dann aber "überrascht, dass eine der wenigen Instanzen mit moralischer Autorität und globaler Perspektive in der Frage der Migration so ängstlich schien, etwas Kontroverses zu sagen, dass sie lieber im Endeffekt gar nichts sagte".

Vance: Kritik an Franziskus habe er "nicht geteilt"

Da sei ihm Papst Franziskus, von dessen Tod er am Tag nach der letzten Begegnung auf dem Weiterflug nach Indien erfuhr, lieber gewesen. Die Kritik mancher konservativer Katholiken an Franziskus habe er "nicht geteilt, selbst da, wo wir unterschiedlicher Meinung waren", so Vance. "Er war der Papst, Donald Trump der Präsident und ich der Vizepräsident. Wir hatten unterschiedliche Rollen und mir waren seine klaren Mahnungen lieber als die vagen Dinge, die ich im Vatikan zu hören bekam." Auch auf den folgenden Seiten ist er voll des Lobes für den verstorbenen Papst – ohne die Meinungsverschiedenheiten in wichtigen Fragen schönzureden.

Wenige Tage nach dem ersten Erscheinen seines Buches als E-Book hatte Vance noch einmal Gelegenheit, sich genauer zu erklären. In einem einstündigen Interview mit Ross Douthat von der "New York Times" über "den moralischen Anspruch der Trump-Administration" legte Vance nach und beschrieb nun auch sein Verhältnis zu Papst Leo genauer.

"Wir haben unterschiedliche Jobs"

Wieder benutzte er, um seine umstrittenen Äußerungen zu Päpsten in der Politik besser zu erklären, das Konzept der unterschiedlichen Rollen – und ließ beiläufig erkennen, dass er und Papst Leo XIV. mehr und besseren Kontakt pflegen, als dies in den Medien bislang bekannt war. Er sagte, dass er mit ihm in den vergangenen Monaten einige Male gesprochen habe und dass er ihr Verhältnis als "eine positive Beziehung" charakterisieren würde.

Von Douthat auf die Vermutung angesprochen, dass er Trumps und Netanjahus Angriff gegen den Iran von Anfang an kritisch gesehen habe und eigentlich zum "Team Peace" des Papstes gehöre, den er dann aber öffentlich habe kritisieren müssen, antwortete Vance: "Ganz grundsätzlich: Wir haben unterschiedliche Jobs." Außerdem würde er niemals etwas aus privaten Gesprächen ausplaudern, die er mit dem Präsidenten oder mit dem Papst geführt habe.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)