Priesternachwuchs

Theologe: Deshalb haben traditionalistische Gruppen mehr Neupriester

Veröffentlicht am 29.06.2026 um 09:40 Uhr – Lesedauer: 

Zürich ‐ Der Schweizer Theologe Daniel Ammann sieht den starken Priesternachwuchs bei Petrus- und Piusbruderschaft in deren abgeschottetem Milieu, kinderreichen Familien und einem ausgeprägten missionarischen Selbstverständnis.

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Nach Ansicht des Schweizer Theologen Daniel Ammann haben traditionalistische Gruppierungen wie die Petrusbruderschaft und die Piusbruderschaft deshalb so viel Priesternachwuchs, weil es sich "bei diesen Bruderschaften um Sondergesellschaften, die in ihrem Selbstverständnis quasi noch in den 1950-er Jahren leben" handelt. "So manche der Priesterseminaristen stammen aus kinderreichen Familien, in denen es nicht unüblich ist, dass ein Sohn Priester wird. Sie leben in sehr abgeschotteten Gruppierungen, und die Berufung zum Priester gilt in ihrer Welt als sehr wichtig“, sagte Ammann am Wochenende dem Schweizer Internetportal kath.ch. Ein weiterer Grund sei "der missionarische Drive" der Gemeinschaften, der eine große Motivation darstelle.

Ammann, der auch Co-Leiter der Fachgruppe "Männerarbeit in kirchlichen Kontexten" des Dachverbands männer.ch ist, äußerte zudem die Vermutung, dass der Priesterberuf in einem katholisch-traditionellen und konservativen Umfeld heute attraktiver erscheine als in einer reformorientieren Kirche. "Das Selbstverständnis der traditionellen Priesterrolle ist die, dass sie sich als Stellvertreter Christi sehen, und in der Nachfolge der Apostel und es deswegen nur Männer sein können, die nicht verheiratet sind, weil Jesus angeblich nicht verheiratet war." Heutzutage würden Priester relativiert. Sie seien nicht mehr hochwürdige Personen und im Gefüge einer Dorfgemeinschaft gehörten sie auch nicht mehr zu den klassisch wichtigsten Figuren wie noch vor einigen Jahrzehnten.

Vor einigen Tagen hatte die Priesterbruderschaft Sankt Petrus den stärksten Weihejahrgang ihrer Geschichte gemeldet. Am 20. Juni waren nach Angaben der Gemeinschaft in Lindenberg im Allgäu 13 Männer zu Priestern geweiht worden. Zudem seien schon Ende Mai zwölf Kandidaten des amerikanischen Priesterseminars der Bruderschaft in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska zu Priestern geweiht worden. Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. wiederum will am 1. Juli ohne päpstliche Erlaubnis Bischöfe weihen. Damit würden sie nach geltendem Kirchenrecht eine Spaltung vollziehen und wären exkommuniziert. (stz)