Ordensfrauen klagen wegen Pronomenzwang – Trump-Regierung hilft
Wo hört Glaubensfreiheit auf und wo fängt Diskriminierung an? Diese Frage stellt sich einmal mehr in den USA – und zwar einer Ordensgemeinschaft, die sich um Krebspatienten im Endstadium kümmert. Die Schwestern klagen jetzt gegen den Staat New York, weil sie Probleme mit einer Anti-Diskriminierungsrichtlinie haben. Ihnen zur Seite springt die Regierung von US-Präsident Donald Trump.
Doch von vorn: Die Dominikanerinnen von Hawthorne, eine dominikanische Gemeinschaft, gibt es seit dem Jahr 1900, gegründet wurde sie von einer Tochter des Schriftstellers Nathaniel Hawthorne. Seit Beginn kümmern sich die Schwestern um mittellose Krebspatienten in ihren letzten Tagen – völlig kostenlos. Ihr Haus im Westchester County gibt es seit dem Jahr 1901. Doch ob es die Einrichtungen weiter geben wird, ist offen.
Denn seit Ende 2023 gibt es im Staat New York ein Gesetz für queere Menschen in Pflegeeinrichtungen. Das Gesetz soll sie vor Diskriminierung schützen, etwa wegen der geschlechtlichen Identität, Orientierung oder dem HIV-Status.
Streit um Pronomen und Zimmer
In Sachen Zimmerbelegung und Toilettennutzung müssten sich die Schwestern also nach dem Geschlecht richten, dass ihre Patienten angeben und nicht nach dem, das die Schwestern ihnen zuschreiben. Zudem müssten sie entsprechende Pronomen nutzen und ihre Mitarbeitenden in Sachen Diskriminierung gegen queere Menschen schulen.
Das wollen die Schwestern aber nicht. Deshalb drohen ihnen Strafgelder bis hin zum Entzug ihrer Lizenz. Die Schwestern haben deshalb geklagt. Für sie ist es eine Frage der Glaubensfreiheit. Rückendeckung bekommen sie nun von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Denn im laufenden Verfahren schaltete sich das Justizministerium ein. "Staaten sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie Amerikaner nicht dazu verpflichten können, ihre religiösen Glaubenssätze im Namen der Woken Gender-Ideologie aufgeben", heißt es in einer Stellungnahme vom Donnerstag. "Das New Yorker Gesetz zwingt diese Ordensfrauen, sich zwischen ihrem Glauben und ihrer Lizenz zu entscheiden, wenn sie weiter für Sterbende sorgen wollen."
Die New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul kontert gegenüber dem Sender Fox News: "Das ist nur ein weiterer trauriger Versuch der Trump-Regierung, die Justiz im Wahljahr als Waffe zu benutzen", lässt sie über einen Sprecher mitteilen. Am 3. November finden in den USA die Zwischenwahl statt, bei der sich die Machtgewichte im Kongress verändern könnten.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump springt den Schwsestern bei.
Praktische Folgen hatte das Anti-Diskriminierungsgesetz bislang nicht. Laut den Schwestern habe es im Zeitraum zwischen Februar 2022 und Januar 2026 "null Beschwerden" gegeben, verglichen mit mehr als 55.000 Beschwerden über andere Einrichtungen. Fraglich bleibt dabei, ob die Schwestern schlicht gute Arbeit leisten – oder queere Menschen katholische Einrichtungen aus Angst vor Diskriminierung meiden.
Denn in den USA kommt es immer wieder vor, dass das Recht auf Religionsfreiheit an Stellen im Alltag ins Feld geführt wird, an denen es Menschen außerhalb der USA eher weniger erwarten würden. So schlug 2018 die Frage Wellen, ob ein Bäcker es aus Glaubensgründen verweigern darf, eine Torte für die Hochzeit eines gleichgeschlechtlichen Paares zu backen.
Klare Sprache des Katechismus
Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK) spricht in Sachen Geschlecht eine klare Sprache: "Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, muß seine Geschlechtlichkeit anerkennen und annehmen", heißt es etwa (2333). "Die leibliche, moralische und geistige Verschiedenheit und gegenseitige Ergänzung sind auf die Güter der Ehe und auf die Entfaltung des Familienlebens hingeordnet. Die Harmonie des Paares und der Gesellschaft hängt zum Teil davon ab, wie Gegenseitigkeit, Bedürftigkeit und wechselseitige Hilfe von Mann und Frau gelebt werden."
Dass Glaube und Queer-sein auch ganz anders zusammenspielen können, zeigt ein Beispiel ebenfalls aus New York. An der St.-Paul-Kirche dort gibt es die Initiative "Out at Sait Paul", die sich um LGBTIQ+-Menschen kümmert. In den Gemeinschaftsstandards heißt es dort: Man wolle respektvoll allen Menschen gegenüber sein, unabhängig von ihrer Orientierung oder Identität. Es solle ein sicherer Ort entstehen für alle Menschen. "Das bedeutet, achtsam in der Sprache, im Umgang und in der Auswahl der Medien zu sein, die man mit anderen teilt."
