Ex-Fußballerin und Ex-Ordensfrau: Folge der Sehnsucht nach Gott

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.
Ihr Leben war immer Bewegung, im Wortsinn genauso wie im übertragenen Sinn: Bettina Berens hat schon in der Frauen-Fußballbundesliga gekickt, als das noch ziemlich außergewöhnlich war. Doch eine Verletzung beendete früh ihre Karriere. Mit damals gerade einmal 28 Jahren stürzte sie zunächst in ein Loch – und wurde dann Ordensfrau. Als Missionarin vom kostbaren Blut lebte und arbeitete sie in Südafrika, Kanada und den Niederlanden. Fußball spielte sie so gut es ging weiter, vor allem auch um Zugang zu Menschen zu finden, zuletzt mit Migrantenkindern in ihrer aktuellen Heimatstadt Mönchengladbach. In diesem Frühjahr verließ sie den Orden. Wie sie Gott jetzt an anderen Orten sucht, erzählt Berens in der neuen Folge von Himmelklar.
Frage: 1996 mussten Sie wegen massiver Probleme mit dem Sprunggelenk mit gerade einmal 28 Jahren Ihre Bundesliga-Karriere beenden. Wie einschneidend war das?
Berens: Es ist danach schon eine Leere entstanden. Sie müssen sich vorstellen, mit welcher Leidenschaft ich bis dahin Fußball gespielt hatte. Ich bin damals drei-, viermal in der Woche aus der Eifel in den Westerwald zum Training gefahren. Das war der Fixpunkt in meinem Leben. Aber ich hatte viel mit Schmerzen am Sprunggelenk zu tun und musste am Ende wegen dieser Verletzung das Training beenden. Wegen der starken Schmerzen ist mir das Aufhören selbst nicht so schwergefallen, dieser Akt, zu sagen "Es geht nicht mehr!". Viel schwerer war es aber herauszufinden, wo ich jetzt mit dieser Begeisterung, mit der Leidenschaft und Freude eine zweite Heimat finden konnte.
Frage: Lange haben Sie nichts gefunden, was Sie wieder mit einer solchen Leidenschaft hätte erfüllen können wie der Fußball. Dann aber hatten Sie eine folgenreiche Begegnung, als Sie nämlich nach vielen Jahren Ihre Schulfreundin Regina wiedertrafen…
Berens: Regina war in der Grundschule meine Freundin. Wir waren damals die Völkerball-Queens, außerdem haben wir beide die Leidenschaft für Pferde geteilt. So waren Regina und ich uns in unseren Talenten sehr verbunden. Und Talente wollen gelebt werden. Als wir uns nach Jahren wieder begegneten, hat Regina irgendetwas in mir angesprochen, sie hat etwas in mir angeregt. Es war wie ein Feuer, das wieder in mir entfacht wurde. Ich wusste aber noch gar nicht, wofür ich jetzt brannte. Regina war inzwischen Ordensfrau geworden und in Mission. Sie hat angefangen, mir Bibeltexte zu schicken. Und weil mir der Kontakt wichtig war, habe ich diese Texte auch gelesen. Besonders angesprochen hat mich der Dialog zwischen Jesus und Gott, dieses Mit-dem-Vater-ins-Gespräch-kommen, teilweise mit Intimität und Zärtlichkeit. Mein leiblicher Vater ist vor meiner Geburt durch einen Arbeitsunfall tödlich verunglückt. Damals wie vielleicht auch heute noch hat man Kindern in einer solchen Situation erzählt: Dein Vater ist im Himmel. Ich bin also aufgewachsen mit einem Vater im Himmel. So war für mich diese Beziehung schon immer einfach gegeben. Das war etwas Natürliches, dass da jemand ist, den man Vater nennt und den ich Vater nannte, der aber nicht direkt greifbar war und ist. Da war also ein Gegenüber, mein Vater, von dem mir absolut klar war, dass mit ihm alles besser gewesen wäre. Für mich war auch klar: Er wird auf mich schauen. Er wird für mich sorgen. Er war für mich immer so etwas wie ein Schutzengel.
Das Foto zeigt Bettina Berens bei ihrer Ewigen Profess im Heilig-Blut-Missionskloster in den Niederlanden.
Frage: Sie sagen, Sie seien im Fußball sozialisiert und nicht in der Kirche. Damals haben Sie aber gemerkt, dass Sie Ihr Leben ganz Gott und dem Glauben widmen wollten. Auf der Suche nach einem passenden Orden haben Sie sich besonders von den Missionarinnen vom kostbaren Blut angezogen gefühlt. Was wiederum mit dieser besonderen Beziehung zum Vater im Himmel zu tun hatte. Inwiefern?
Berens: Ich hatte eigentlich gar nicht vor, in einen Orden zu gehen. Aber nach der Begegnung mit Regina und dieser neuen Erfahrung merkte ich, dass das, was ich machte, zwar gut war, aber nicht mehr zu mir passte. Es wollte etwas Neues in mir geschehen. Deswegen habe ich mir verschiedene Ordensgemeinschaften angeschaut. Entgegen meiner Vorliebe für den Süden der Republik bin ich in Paderborn in Ostwestfalen bei den Missionarinnen vom kostbaren Blut gelandet. Ich bin dort ins Haus gekommen und wusste nach den ersten Gesprächen gleich, dass da etwas war, dem ich weiter nachgehen musste. Als ich mich näher mit dem Orden beschäftigte, wurde mir irgendwann klar, warum ich dort war. Eine der Hauptmotivationen der Ordensgründerin war: Gott ist mein Vater und ich bin sein Kind. Das ist auch heute noch mein tägliches Empfinden. Ich bin zwar längst kein Kind mehr, aber Gott ist mein Vater geblieben.
Frage: Sie sagen: Gott ist Ihr Vater im Himmel und Ihr leiblicher Vater ist auch Ihr Vater im Himmel. Wie das?
Berens: Ich habe meinen Vater ja nie kennengelernt, ihn also nie berührt. Mein Vater ist für mich also auch jemand, der für mich nicht greifbar ist, so wie wir Gott nicht greifen können. Deswegen habe ich die beiden wohl nicht wirklich voneinander getrennt. Manchmal kann man die Dinge verkomplizieren, dabei ist Glauben oft so einfach.
Frage: Jedenfalls haben Sie sich damals dazu entschlossen, dort einzutreten. Das war ein drastischer Schritt. Hatten Sie denn das Gefühl, das Richtige zu tun?
Berens: Ich hatte damals noch nicht so wirklich das Gefühl, dass ich das Richtige mache. Ich wusste aber: Ich muss dem nachgehen. Ich muss schauen, ob es das Richtige ist. Ich habe damals wirklich einen drastischen Schritt gemacht. Ich hatte eine recht gute Arbeitsstelle, eine schöne Wohnung und ein Wohnmobil. Ich habe dann, ohne wirklich zu wissen, ob der Orden auf längere Zukunft hin für mich das Richtige ist, alles gekündigt und bin dann nur mit meinem Wohnmobil aufgebrochen. Ich dachte: Wenn es das dann nicht ist, fahre ich halt mit dem Wohnmobil durch die Welt, bis ich das Richtige gefunden habe.
„Eine der Hauptmotivationen der Ordensgründerin war: Gott ist mein Vater und ich bin sein Kind. Das ist auch heute noch mein tägliches Empfinden.“
Frage: Sie sind aber erst einmal eingetreten und dann nach gar nicht so langer Zeit wieder aus. War es doch nicht das Richtige?
Berens: Diese Veränderung damals war schon sehr groß. Ich hatte bis dahin viel Sport gemacht. Im Kloster gab es wenig Möglichkeiten, weiter sportlich aktiv zu sein. Außerdem hatte ich dann einen Bandscheibenvorfall und extreme Schmerzen. Plötzlich war ich in der Ordensgemeinschaft noch nicht einmal mehr in der Lage, einer Tätigkeit nachzugehen und habe sehr unter den Schmerzen gelitten. Dieser Druck von verschiedenen Seiten war einfach zu groß, also Druck, den ich mir teilweise selbst gemacht habe. Dieser Druck hat sich auch auf meinen Rücken ausgewirkt. Da habe ich gedacht, ich muss diesen Druck jetzt erstmal wieder aus dem Kessel lassen. Am Anfang war ich noch der Überzeugung, ich gehe einfach weg und zurück in mein altes Leben und das war es dann. Das war es dann aber nicht.
Frage: Sie durchlebten eine Zeit starker körperlicher Schmerzen und eine Zeit des Zweifelns. Danach sind Sie wieder eingetreten. Warum?
Berens: Ich hatte zwei Rückenoperationen und sehr viel mit Schmerzen zu kämpfen. Trotzdem hatte ich auch wieder einen neuen Job in Luxemburg gefunden, eine ganz schöne Arbeit. Trotzdem habe ich auf dem Rückweg im Auto immer gedacht: "Das ist nicht mein Leben. Das ist es nicht." Es brannte immer noch dieses Verlangen nach dem Ordensleben in mir.
Frage: Also sind Sie ein zweites Mal bei den Missionarinnen vom kostbaren Blut eingetreten und waren dann viele Jahre als Ordensfrau an ganz vielen unterschiedlichen Orten und in ganz unterschiedlichen Funktionen tätig. Was waren Ihr Antrieb und Ihre Motivation?
Berens: Ich glaube, mein Antrieb und meine Motivation waren immer, das zu tun, was mich näher zu dem hinbringt, was ich gefunden habe: Zu meinem Vater in Gott im Himmel. Das Ordensleben bringt auch viele Schwierigkeiten mit sich und es war immer wieder herausfordernd, in neue Länder zu gehen. Aber ich merkte, dass mit all diesen einzelnen Erfahrungen in mir die Liebe zu Gott und zu den Menschen wuchs. Ich glaube schon, dass ich neben meinem Talent für Fußball auch ein Talent für Gott habe. Es ist mir einfach mitgegeben worden.
Ich glaube, wenn ein Kind im Prinzip ohne Vater aufwächst, ist da eine ganz tiefe Sehnsucht nach diesem Vater. Sie wird immer bleiben. Und plötzlich gab es in mir diese Sehnsucht nach Gott. Genauso wie ich vorher der Sehnsucht des Fußballs gefolgt war, folgte ich jetzt dieser Sehnsucht nach Gott.