Rege Ticketnachfrage am Kölner Dom – Schleppender Online-Verkauf

Der Kölner Dom kostet jetzt Eintritt – und die Kirchenverantwortlichen ziehen am ersten Tag eine positive Bilanz. Im Verlauf des Mittwochs seien rund 500 Online-Tickets und rund 2.400 Eintrittskarte an der neuen Zentralkasse verkauft worden, teilte der Kölner Dom am Abend mit. Damit habe die Kathedrale eine Zielmarke erreicht: Rund die Hälfte ihrer Erhalt- und Unterhaltskosten von täglich insgesamt 44.000 Euro soll sie durch Eintrittspreise erwirtschaften.
Seit diesem Mittwoch müssen Touristinnen und Touristen zwölf Euro für einen Besuch in Deutschlands bekanntester Kirche zahlen. Der Online-Ticketverkauf war zunächst schleppend gestartet. In den rund zwei Wochen seit Öffnung des Ticket-Shops am 15. Juni wurden etwa 4.000 Eintrittskarten verkauft. Diese Zahl nannte Domsprecher Markus Frädrich der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Seit Mittwochmorgen verkauft auch die Zentralkasse in der Nähe des Doms Eintrittstickets. Kurz vor Öffnung des Besuchereingangs bildete sich eine meterlange Schlange vor dem Hauptportal der Kathedrale, die sich jedoch schnell wieder auflöste. Im Verlauf des Vormittags mussten Interessierte immer wieder kurzzeitig anstehen. Dompropst Assmann zeigte sich am Ende des Tages zufrieden: Das neue Konzept habe sich bewährt. "Befürchtungen, es könne zu 'chaotischen' Situationen kommen, haben sich nicht bestätigt."
Auch über das kostenfreie Nordportal betraten zahlreiche Menschen den Dom. Von hier aus haben sie jedoch nur Zugang zu einem eingeschränkten Bereich. Er ist zum Beispiel für Besucher vorgesehen, die eine Kerze anzünden und ein Gebet sprechen wollen. Den ganzen Dom können nur zahlende Gäste sehen. "Ich finde das blöd", sagte eine Besucherin des kostenfreien Bereichs. Zwölf Euro seien zu viel. Sie und ihre Begleiterin stammen aus der Region und gehen regelmäßig in den Kölner Dom. Das sei nun nicht mehr uneingeschränkt möglich. Die Begleiterin äußerte sich dennoch positiv. "Hier kann man das Richter-Fenster schön sehen", sagte sie. "Das ist ohnehin das schönste Fenster." Das kostenfreie Nordportal liegt gegenüber dem berühmten Kirchenfenster, das Künstler Gerhard Richter gestaltet hat.
Dompropst: Zu früh für Hochrechnung
Dompropst Guido Assmann äußerte sich am Morgen zurückhaltend zu den bislang verkauften Online-Eintrittskarten. "Es wäre völlig unrealistisch in den ersten zwei Wochen, noch bevor das Ganze überhaupt losging, jetzt schon hochzurechnen. Es wird nicht bei dieser Summe bleiben", sagte er der KNA. Die Kirchenverantwortlichen wollten das nächste halbe Jahr beobachten – und dann Schlüsse ziehen. Auf die neue Zugangsgebühr habe er unterschiedliche Reaktionen erhalten, sagte Assmann weiter. Viele Touristen aus dem Ausland empfänden einen Eintritt von zwölf Euro nicht als teuer, weil sie für andere Kirchen mehr zahlen müssten. Aber: "Die Menschen aus der Region – da gibt es eben verschiedene Meinungen." Der Dompropst verwies auf Ermäßigungen und Befreiungen vom Eintritt, etwa für Kinder bis 13 Jahre.
Mit den Einnahmen sollen Pflege, Schutz und Betrieb des Kölner Doms auch in Zukunft sichergestellt werden. Seit Jahren verursacht das Riesenbauwerk mehr Kosten, als es Einnahmen bringt. Für dieses Jahr rechnet Assmann mit einer Finanzlücke von vier Millionen Euro. Den Kölner Dom besuchen jährlich rund sechs Millionen Menschen. Damit gehört das Weltkulturerbe zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher dürfte mit dem neuen Eintrittsgeld jedoch zurückgehen. Eintrittsgelder sind für Kirchen in Deutschland bisher ungewöhnlich. Im Ausland wird dagegen häufiger eine Zugangsgebühr erhoben, etwa in Spanien. (KNA)
1.7., 18:15 Uhr: Meldung aktualisiert.