Kritik an neuer Regelung

Der letzte kostenlose Tag im Kölner Dom

Veröffentlicht am 30.06.2026 um 16:00 Uhr – Von Christoph Paul Hartmann – Lesedauer: 

Köln ‐ Ab Juli heißt es in Köln: Wer in den Dom will, muss Eintritt zahlen. Am Tag davor ist die Stimmung auf der Domplatte zurückhaltend gespannt. Viele nutzen ihre letzte Chance.

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Im Schatten des Kölner Doms ist es deutlich kühler als auf dem Roncalliplatz nebenan. Deshalb haben sich die Gruppen aus Kindern hier nach dem Dom-Besuch versammelt – sie sind Teil eines Ferienprogramms. Durch ihre weißen T-Shirts und roten Käppis fallen sie direkt auf. Als wäre das abgesprochen, kommen nach ihnen gleich die nächsten rot markierten Menschen aus der Kathedrale: Gäste einer Flusskreuzfahrt. Die Bänder ihrer Audio-Guides sind ebenfalls rot. Im Großen und Ganzen also ein normaler Tag an einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands – und eine Zeitenwende. Denn es ist der letzte Tag, an dem alle den Dom kostenlos besuchen dürfen.

Die beiden Kölnerinnen Elke und Kirsten sind extra heute nochmal vorbeigekommen. Denn von den 12 Euro Eintrittsgeld, die ab dem 1. Juli erhoben werden, halten sie nichts. "Bis fünf Euro wäre es ja noch okay gewesen", sagt Elke, "aber zwölf? Und keine Ausnahme für Rentnerinnen wie uns? Das ist indiskutabel."

Die Dom-Besucherinnen Elke und Kirsten
Bild: ©katholisch.de/cph

Die Dom-Besucherinnen Elke (r.) und Kirsten sind vom kommenden Eintrittsgeld nicht begeistert.

Auch Ralph Lehnert ist extra heute nochmal aus Dortmund nach Köln gekommen. "Der Eintritt macht mich sehr traurig, deshalb wollte ich den Dom heute nochmal sehen", sagt er. Er persönlich könne sich den Betrag leisten, "aber ich bin der Meinung, dass eine Kirche nichts kosten sollte." Er schaut sich noch einmal zur Kathedrale um.

Jahrhundertelange Bauzeit

1248 begann der Bau des Domes, nach einer Pause und der spektakulären Wiederaufnahme der Bauarbeiten wurde er 1880 vollendet und muss seitdem dauerhaft von der Dombauhütte betreut werden. Etwa 170 Menschen arbeiten heute für und am Dom.

Das alles kostet Geld – und nicht wenig: Etwa 44.000 Euro verschlingt die Kathedrale am Tag. Den größten Posten machen dabei die Personalkosten aus, gut zwei Drittel des Geldes gehen an die Beschäftigten. Danach folgen auf deutlich niedrigerem Niveau Ausgaben für Energie, für die Gestaltung von Liturgien und für die Dommusik. Bislang kommt der größte Teil des Geldes vom Zentral-Dombau-Verein (ZDV), dem Erzbistum Köln und dem Land Nordrhein-Westfalen. Doch die Finanzierung hat seit Jahren ein Loch: 2024 lag es bei etwa 240.000 Euro.

Nicht zuletzt deshalb und angesichts gestiegener Kosten kostet der Zugang zum Dom ab dem ersten Juli Eintritt: Regulär sind es 12 Euro, für Schüler, Studierende, Auszubildende oder Sozialpass-Inhaber sechs Euro. Wer unter 14 Jahre alt ist, schwerbehindert oder ZDV-Mitglied, kommt kostenlos rein. Der Mindestjahresbeitrag des ZDV beläuft sich auf 20 Euro, Kinder, Jugendliche und Studierende zahlen 15 Euro. Kostenlos bleibt der Zugang zum Dom lediglich zu Gottesdiensten und zu einem kleinen Bereich zum Gebet.

Der Kölner Dom vonm der Hohenzollernbrücke aus gesehen
Bild: ©katholisch.de/cph

Der Kölner Dom beherrscht das Panorama der Stadt.

Gerade kommen zwei Freundinnen aus dem Dom – beides Protestantinnen, wie sie betonen. "Aber wir kommen trotzdem mindestens zwölf Mal im Jahr her." Mit dem Eintrittsgeld haben sie keine Probleme. Eine von ihnen ist ZDV-Mitglied und kommt sowieso immer kostenlos rein. Ihre Freundin sieht den Betrag im Vergleich: "Die Engländer zahlen für St. Paul’s in London ein Vielfaches." Trotzdem sind beide heute nochmal zum von ihnen geliebten "rheinischen Kulturerbe" gekommen: "Nächste Woche wäre es teurer geworden."

Unterschiedliche Eintrittsregelungen in Europa

In der Tat wird das Thema Eintrittsgeld in den großen Kirchen Europas sehr unterschiedlich gehandhabt: Die erwähnte St. Paul’s Cathedral in London kostet 31 Euro, Westminster Abbey ebenso 31 Euro, die Sagrada Familia in Barcelona 26 Euro, der Berliner Dom 15 Euro und der Stephansdom in Wien 8 Euro. Kostenlos sind dagegen Notre-Dame in Paris und der Petersdom in Rom.

Der Tourist Chris am Kölner Dom
Bild: ©katholisch.de/cph

Chris ist aus Australien nach Köln gekommen.

Allen diesen Kirchen gemein ist, dass sie viele Menschen besuchen wollen. So auch an diesem Morgen in Köln: Ein Paar aus der Domstadt, eins aus der Umgebung, das bei jedem Köln-Besuch auch nochmal in den Dom geht. Und dann sind da die vielen Touristen von nah und fern. Chris ist aus Australien nach Köln gekommen und durch Zufall auch in den Dom gegangen: "Der sah einfach interessant aus", sagt er. Er zeigt sich begeistert von der Architektur. "Da ist so viel Schönheit und es ist so alt – einfach der Wahnsinn!"

Die Kritik ist also spürbar an diesem Morgen vor dem Dom, ebenso aber die Anziehungskraft der Kathedrale. Für alle, denen unwohl dabei ist, vor dem Angesicht Gottes erstmal einen Geldschein zu zücken, gibt es aber auch gute Nachrichten. An einzelnen Tagen soll der Dom weiterhin für alle kostenfrei zugänglich sein: Ab dem Dreikönigstag bis zum darauffolgenden Sonntag, zur Dreikönigswallfahrt im September, am ersten Mai und am Tag der deutschen Einheit.

Von Christoph Paul Hartmann