Vorbild für Emanzipationsbewegungen

Theologe Söding warnt vor überbordender Marienfrömmigkeit

Veröffentlicht am 02.07.2026 um 15:30 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Die Gottesmutter Maria ist heute für viele Gläubige aus ganz unterschiedlichen kirchlichen Milieus anschlussfähig. Theologe Thomas Söding sprach in einem Interview auch über seine persönliche Beziehung zu Maria.

  • Teilen:

Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding hat vor überbordender Marienfrömmigkeit und -verklärung gewarnt. "Für mich ist das, was sich in der marianischen Tradition der katholischen Kirche entwickelt hat, schon im Ansatz schriftgemäß", so Söding in einem Interview mit dem Kölner "Domradio" (Donnerstag). Er mahnte, dass Marienbilder immer an die Bibel rückgebunden sein müssten. Angesprochen auf die Marienfrömmigkeit im französischen Wallfahrtsort Lourdes sagte Söding, dass er den Ort beeindruckend finde. Auf die "Auswüchse des Devotionalienhandels" könne er dagegen verzichten.

Zugleich warnte Söding auch davor, Begriffe wie Emanzipation auf Maria zu übertragen. Das im Lukas-Evangelium berichtete "Ja" Marias zu Gott und den Menschen sei "ein Ausdruck von Freiheit", erklärte Söding. "Davon könnte jede Emanzipations- und jetzt Gleichberechtigungsbewegung inspiriert werden", so der Theologe. "Aber man kann nicht die marianische Gestalt oder die marianische Tradition und Frömmigkeit als Vorgeschichte der modernen Emanzipationsbewegung verbuchen. Dafür ist sie zu reich."

Über seinen eigenen Bezug zu Maria erklärte er, dass er nach dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Mutter das Ave-Maria am Grab gebetet habe. Gerade die Stelle "in der Stunde unseres Todes" habe ihn dabei sehr berührt. (cbr)