ZdK und EKD kritisieren Kürzungen der Entwicklungshilfe
Spitzenvertreterinnen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland haben die geplanten Kürzungen der Entwicklungshilfe kritisiert. Haushaltszwänge dürften den Blick auf den Wert internationaler Solidarität nicht verstellen, schreiben Anna-Nicole Heinrich und Irme Stetter-Karp in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Samstag. "Als Christinnen können wir den Anspruch auf praktizierte Barmherzigkeit nicht relativieren."
Stetter-Karp ist Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), dem höchsten Laiengremium der katholischen Kirche in Deutschland. Heinrich ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Die Spitzenvertreterinnen der beiden großen Kirchen zeigen sich besorgt, dass die "pragmatische Allianz von Nächstenliebe und Stabilisierungsinteressen" derzeit aus dem Blick gerate. Kurzfristiger Eigennutz verdränge nachhaltigkeitsorientiertes Kooperationsstreben. Dabei könne gerade Deutschland "ein international verantwortungsvoller Gegenpol zu einer selbstzentrierten Politik sein, wie wir sie derzeit nicht nur in Washington erleben", heißt es in dem Beitrag weiter.
"Pragmatischer Wert der Nächstenliebe"
Der Entwicklungsetat und die Ausgaben für humanitäre Hilfe würden stattdessen "zu Einsparstellen". Heinrich und Stetter-Karp werfen die Frage auf, ob die Politik "ihr Gespür für den pragmatischen Wert der Nächstenliebe" verliere.
Anlass für den Appell ist der Sparkurs der Bundesregierung. Für das Entwicklungsministerium sind im Bundeshaushalt 2026 rund 10,06 Milliarden Euro vorgesehen – etwa 250 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Für die Zukunft stehen weitere Kürzungen im Raum. (KNA)
