Besuch auf Lampedusa

Flüchtlingskind an Papst: Habe meine Mama verloren

Veröffentlicht am 04.07.2026 um 11:43 Uhr – Lesedauer: 

Lampedusa ‐ Ein Papierball, ein Brief und eine bewegende Lebensgeschichte: Ein Flüchtlingskind erzählt Papst Leo XIV. auf Lampedusa von Flucht, dem Verlust seiner Mutter und einem kleinen Geschenk, das ihm neue Hoffnung gab.

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Ein Flüchtlingskind hat Papst Leo XIV. von seinem Schicksal erzählt. "Vor zehn Jahren hat meine Geschichte hier in Lampedusa begonnen. Ich war allein und hatte alles verloren – besonders meine Mama", so der Junge, der das Kirchenoberhaupt auf der italienischen Mittelmeerinsel traf. Nach seiner Ankunft auf Lampedusa habe er geweint und erst aufgehört, als man ihm einen Ball aus Papier gab. "Seitdem ist der Ball in meinem Herzen geblieben und ich habe nie wieder aufgehört zu spielen."

Der Junge hatte seine Worte auch in einem Brief niedergeschrieben und den Ball auf das Papier gemalt. "Ich hoffe so sehr, dass dieser Ball, den ich dir jetzt schenke, ein anderes Kind erreicht und es genauso glücklich macht wie mich."

35.070 tote Migranten im Mittelmeer

Das Zusammentreffen der beiden fand am "Tor Europas" statt. Das Denkmal "Porta d'Europa", ein rund fünf Meter hoher Torbogen, erinnert an die vielen Migranten, die Europa nie erreichten. Nach Angaben des Projekts "Missing Migrants" der Internationalen Organisation für Migration starben oder verschwanden seit 2014 insgesamt 35.070 Menschen im Mittelmeer (Stand: 4. Juli).

Der Papst hat die EU daher zu einem langfristigen und menschenwürdigen Umgang mit Migranten aufgerufen. Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner institutionellen Struktur sei Europa in der Lage, die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen. Leo XIV. forderte, die Soforthilfe in einen langfristigen strategischen Plan einzubinden, "der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird". All dies müsse unter Wahrung der Würde jedes Einzelnen geschehen, so der Papst. Die Verantwortung dafür sieht der Papst nicht allein bei den öffentlichen Institutionen, sondern auch bei der Zivilgesellschaft und der Kirche.

Papst-Franziskus-Pier eingeweiht

In Europa bekannt wurde Lampedusa, knapp 140 Kilometer vor der tunesischen Küste, durch ein verheerendes Bootsunglück im Jahr 2013. 368 Migranten ertranken damals vor der italienischen Insel. Papst Franziskus (2013-2025) hatte Lampedusa drei Monate vor dem tragischen Unglück besucht, um auf das häufig tödliche Schicksal der Migranten aufmerksam zu machen. Am Landungssteg "Molo Favaloro" sprach er damals auch mit einer Gruppe von Bootsflüchtlingen.

Daran knüpft Leo XIV. nun an: Er hält sich für einen halben Tag auf Lampedusa auf und trifft dort ebenfalls mit Bootsflüchtlingen zusammen. Zum Auftakt seines Besuchs legte er auf dem örtlichen Friedhof Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder. Im Hafen segnete er eine seinem Vorgänger gewidmete Gedenkstele: "Pier Papst Franziskus: Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit". Zum Abschluss feierte Leo XIV. eine Freiluftmesse. (fxn/KNA)