Bischof Meier: Als Christen nicht Nachrichten boykottieren
Der Augsburger Bischof Bertram Meier hält Nachrichten-Abstinenz für keine gute Idee. Heute gebe es derart viele Informanten und Informationskanäle, dass die Zahl derer, die bewusst auf regelmäßige Nachrichten verzichteten, zunehme, sagte Meier laut Manuskript am Samstag in Augsburg. "Doch es war noch nie sinnvoll, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Als Christinnen und Christen sollten wir alles auf den Prüfstand stellen und je nach unserer gesellschaftlichen Verantwortung beherzt gegensteuern."
Das Internet habe das Phänomen der Echokammern und Meinungsblasen hervorgebracht, ergänzte der Bischof. Darin erlägen Menschen der Gefahr, die Wirklichkeit zu ignorieren, sich in Verschwörungsmythen einzuspinnen oder sich eine zweite, nicht selten gewaltbereite Identität zuzulegen. "Weil wir soziale Wesen sind, nach Ansehen und Anerkennung streben, zu einer Gemeinschaft gehören wollen – deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht zulassen, dass ein Mensch in unserem persönlichen Umfeld vereinsamt oder vor dem digitalen Endgerät buchstäblich verkümmert", mahnte Meier.
"Es kommt auf jeden Einzelnen an"
Der Bischof äußerte sich bei einem Gottesdienst in der Basilika Sankt Ulrich und Afra zur aktuellen Ulrichswoche, der diözesanen Festwoche zu Ehren des Bistumspatrons. Das diesjährige Motto der Ulrichswoche "Löscht den Geist nicht aus!" meine: "Setzen wir alles daran, dass wir, dass Du und Ich, immer mehr unser Menschsein entfalten, dass wir die Talente und Charismen, die Gott uns mitgegeben hat, zum Blühen bringen und denen aufhelfen, die schwächer sind als wir."
Das Motto heiße außerdem Folgendes, fügte der Bischof hinzu: "Setzen wir nicht nur auf digitale Beziehungen, sondern pflegen wir auch weiterhin analoge Begegnung." Beim Sprechen, in der Wortwahl, in Mimik und Gestik gelte es darauf zu achten, nicht unter der eigenen Würde zu agieren. Meier betonte: "Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an!" (KNA)
