Kirche kenne viele Riten

Kardinal: "Alte Messe" hat legitimen Platz

Veröffentlicht am 09.07.2026 um 09:50 Uhr – Lesedauer: 

Genua ‐ Die Kirche kennt nach Ansicht von Kardinal Angelo Bagnasco eine Vielfalt von Riten. Dazu gehöre auch die "Alte Messe", solange die Einheit des Glaubens gewahrt bleibe und Unterschiede nicht ideologisch überhöht würden.

  • Teilen:

Kardinal Angelo Bagnasco hat die Legitimität der Koexistenz der Messe in ihrer Form vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verteidigt. Die katholische Kirche kenne eine Vielzahl von Riten, sagte er in einem Interview mit dem Portal "Ad Vaticanum" am Donnerstag. Als Beispiel nannte er den Ambrosianischen Ritus in Mailand.

Bagnasco ist emeritierter Erzbischof von Genua. Von 2007 bis 2017 war er Präsident der Italienischen Bischofskonferenz, von 2016 bis 2021 Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).

Kein neuer Ritus

Vor diesem Hintergrund erinnerte der Kardinal an Benedikts XVI. Dokument "Summorum Pontificum". Darin werde kein neuer liturgischer Ritus geschaffen, sondern innerhalb des römischen Ritus eine ordentliche und eine außerordentliche Form anerkannt. "Letztere ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Die Einheit des Glaubens steht nicht zur Debatte, sondern vielmehr legitime persönliche Empfindungen", so Bagnasco. "Wenn Unterschiede in diesem Bereich nicht zu absoluten Wahrheiten, Parolen oder Parteien werden, warum nicht?"

Durch das Motu proprio "Summorum Pontificum" von 2007 erleichterte Benedikt XVI. die Feier der heiligen Messe nach den liturgischen Büchern von 1962 (der sogenannten "Alten Messe" oder tridentinischen Liturgie) erheblich. Papst Franziskus (2013–2025) schränkte diese Regelung mit dem Motu proprio "Traditionis custodes" im Juli 2021 wieder deutlich ein. Wie Papst Leo XIV. mit der Frage umgehen wird, ist derzeit noch offen. (mtr)