Erzbischof warnt vor Kommerzialisierung des Jakobswegs

Der Erzbischof von Santiago de Compostela, Francisco José Prieto, hat vor der kommerziellen Ausschlachtung des Jakobswegs gewarnt. "Der Pilger ist kein Kunde. Die Seele des Jakobswegs darf nicht von einer kommerziellen Logik vereinnahmt werden", sagte er in einem Vortrag laut einem Bericht von "Vida Nueva" vom Mittwoch. "Wenn der Jakobsweg auf ein Produkt reduziert wird, verliert die Gastfreundschaft ihren wahren Wert."
In seinem Vortrag widmete sich Prieto insbesondere der Gastfreundschaft Pilgern gegenüber. "In der jakobinischen Tradition ist die Gastfreundschaft seit ihren Anfängen ein tragendes Element", so der Erzbischof. Er betonte, dass "die Aufnahme nicht nur darin besteht, materielle Güter anzubieten, sondern auch im Zuhören, in der Begleitung und im Glauben". Der Pilger sei "nicht einfach nur ein Reisender; er ist jemand, der sich auf einen äußeren und inneren Weg zu Gott begibt. Der Jakobsweg ist eine Erfahrung der Menschlichkeit und des Glaubens, bei der die Begegnung mit anderen auch zur Begegnung mit Christus führt".
Das Ziel sei entscheidend
Es sei die entscheidende Qualität des Jakobswegs, dass er seine spirituelle Seite bewahrt habe. "Wenn der Jakobsweg seine christliche Seele verliert, wird er letztendlich zu einer bloßen Route, zu einer fragmentierten Strecke, die weder weiß, wo sie beginnt, noch wo sie endet." Es gebe einen Weg, weil es ein Ziel gebe: Santiago de Compostela.
Dies herauszustellen, sei auch eine der Herausforderungen für das Heilige Jakobusjahr 2027. Es gelte, "zu erkennen, wie wir die Menschen willkommen heißen wollen und welches Gesicht der Kirche wir während des kommenden Heiligen Jahres zeigen wollen", sagte Prieto. Wer aufgenommen werde, entdecke, "dass er niemals allein ist und dass es immer eine offene Tür zur Gnade Gottes gibt".
Die Pilgerwege zum Grab des Apostels Jakobus im westspanischen Santiago de Compostela gehören zu den bekanntesten der Christenheit. Es gibt sie seit dem Mittelalter. Wiederentdeckt wurden sie in den 1980er Jahren auf Initiative von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) und dem Europarat. Seit einigen Jahren steigen die Zahlen der Pilger stark an. 2025 wurden mehr als 530.000 Pilger-Urkunden in Santiago ausgestellt. (cph)