Bekannt als Spiritueller Globetrotter

David Steindl-Rast wird 100 – Benediktiner, Zen-Meister und Mystiker

Veröffentlicht am 12.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Angelika Prauß (KNA) – Lesedauer: 

Bonn/Sankt Gilgen  ‐ Er gilt als einer der großen spirituellen Persönlichkeiten der Gegenwart. Dennoch ist der österreichische Benediktiner David Steindl-Rast vielen unbekannt. Nun wird er 100 Jahre alt.

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Immer wieder gab und gibt es Menschen, die mit Gott und dem Urgrund des Seins in einer ganz besonderen Verbindung sind. Solche Mystiker machen ganz unmittelbare, tiefe Erfahrungen mit dem Göttlichen. Zu ihnen zählen Hildegard von Bingen, Meister Eckart, Thomas von Kempen, Therese von Avila, aber auch der UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld. Heute gilt der österreichische Benediktiner David Steindl-Rast als großer Mystiker unserer Zeit. Am 12. Juli wird er 100 Jahre alt.

Eremit, Zen-Christ, spiritueller Globetrotter – viele Umschreibungen treffen auf den gebürtigen Wiener zu. In seiner Jugend war er im katholischen Widerstand aktiv und studierte nach dem Krieg Kunst, Psychologie und Anthropologie. 1952 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus und trat dort 1953 in das damals neu gegründete Benediktinerkloster Mount Saviour im US-Bundesstaat New York ein.

"Das Herz jeder Religion"

Zwölf Jahre später beauftragte ihn sein damaliger Abt, sich dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus zu widmen. Dabei lernte Steindl-Rast auch verschiedene Zen-Meister kennen. 1968 gründete der Mönch gemeinsam mit Rabbinern, Buddhisten, Hindus und Sufis in den USA das "Center for Spiritual Studies" und wurde so zum interreligiösen Brückenbauer. Konfessionen und Religionen traten für ihn in den Hintergrund, denn "Mystik ist das Herz jeder Religion", wie er sagt.

Das Heilige ist für ihn die unmittelbare "Begegnung mit dem großen Geheimnis des Seins", beschreibt der Ordensmann sein Empfinden in einem Deutschlandfunk-Beitrag. Steindl-Rast scheint diesem großen Geheimnis in seinem Leben oft begegnet zu sein. Doch erst mit 60 begann er – nach vielen Jahren der Kontemplation – Bücher zu schreiben und Menschen in Vorträgen an seinen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Er erlebe "dieses Berührtwerdens durch das Heilige meist durch Musik". Doch im Grunde ist dem Benediktiner alles Existierende heilig. "In allem, was es gibt, können wir diesem großen Geheimnis des Seins begegnen, wenn wir uns dafür öffnen und uns davon ergreifen lassen." Denn: "Die Ewigkeit ist. Und wir leben in einem Doppelbereich als Menschen", heißt es in seinem Buch "Ich bin in dieser Ewigkeit".

David Steindl-Rast im August 2024 in Salzburg
Bild: © IMAGO / Manfred Siebinger | Montage: katholisch.de (Archivbild)

Der Benediktinermönch David Steindl-Rast wird am 12.7.2026 100 Jahre.

Lange führte Steindl-Rast ein Leben zwischen Einsiedlertum und internationaler Vortragstätigkeit, seit 2021 lebt er zurückgezogen im Europakloster in der Nähe von Salzburg. Für die Brüdergemeinschaft sei es "ein großes Geschenk", dass Bruder David im Europakloster lebe, sagt Prior Thomas Hessler auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Er bereichert unsere Mönchsgemeinschaft mit seiner Lebenserfahrung und seiner Weisheit." Durch sein hohes Alter sei das aber auch "eine ganz normale Herausforderung im Zusammenleben der Generationen", wie der Prior einräumt.

Bruder Davids Präsenz sei immer noch sehr stark; ebenso wie sein Interesse am Tagesgeschehen. Noch immer schreibe der Mitbruder Bücher, "die viele Menschen berühren und direkt ansprechen". Der Klostervorsteher sieht es als "große Gabe, dass er eine Sprache verwendet, die heutig ist und heute die Menschen erreicht". Das Europakloster begeht den 100. Geburtstag von Steindl-Rast mit einem 100-tägigen interdisziplinären Erlebnisprojekt.

Noch bis ins hohe Alter hielt Steindl-Rast Vorträge; zu seinem 100. Geburtstag ist gerade das Buch "Worauf es letztlich ankommt" mit 100 Fragen und Antworten erschienen. Zentrale Begriffe für ihn sind "Dankbarkeit, Verbundenheit und ein entschiedenes und gelebtes Ja zum Leben". Das Vertrauen in das Leben sei die einzige gemeinsame Grundlage der Menschheit, erklärte der Mönch 2022 bei den Salzburger Hochschulwochen.

Eingebettet in ein größeres Ganzes

Eine sehr zentrale Botschaft, die Bruder David immer wieder benennt, sei die Haltung des Respekts, erklärt Prior Hessler. "Er sieht zunehmend, dass Menschen immer unachtsamer umgehen und dadurch ein gutes Miteinander verlorengeht. Freundlichkeit wäre ein Gebot der Stunde auch in Zeiten der Krisen und der großen Verunsicherungen."

Mystik – das klingt weltfremd und entrückt. In Steindl-Rasts Gedanken schwingt aber durchaus auch eine gesellschaftliche und politische Komponente mit: Irrtümlicherweise werde Hass für das Gegenteil von Liebe gehalten. Für den Ordensmann ist es die Gleichgültigkeit. Diese sei "blind für Zugehörigkeit und verfällt daher der Illusion von Unabhängigkeit und Vereinzelung". Diese Entfremdung führe dann zu Verunsicherung und Furcht vor dem Leben.

Doch nur "durch Zugehörigkeit zu meiner Mitwelt kann ich mich sicher, geborgen und zu Hause fühlen". Sein Appell: "Wir müssen uns wieder eingebettet wissen und danach handeln" – jeder für sich im Kleinen, aber auch durch eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Weltgemeinschaft.

Von Angelika Prauß (KNA)