König Charles III. hat das Christentum nicht verraten
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Hat König Charles III. Verrat an seiner Kirche begangen, weil er nicht mehr "Verteidiger des Glaubens", sondern "Verteidiger von Glauben" ist? Diese Kritik musste sich der britische König anhören. Er nennt sich im Finanz- und Rechenschaftsbericht des Königshauses nun "Protector of the space for faith within the multifaith nation", zu Deutsch etwa "Beschützer des Raums für den Glauben in einer multireligiösen Nation". Sprachlich klingt das nicht schöner, aber inhaltlich liegt der König richtig.
Charles III., am 6. Mai 2023 mit einem Krönungsgottesdienst der anglikanischen Kirche ins Amt eingeführt, ist mit der Änderung nicht vom Glauben abgefallen. Der Monarch hat lediglich die Realitäten anerkannt. Sie bestehen darin, dass in Großbritannien nicht allein anglikanische Christen leben, sondern auch Konfessionslose und Katholiken, Muslime und Methodisten, Sikhs, Juden und Hindus. Von Oktober 2022 bis Juli 2024 regierte Großbritannien erstmals ein Hindu – der konservative Premier Rishi Sunak.
Mit der neuen Formulierung macht der König die anglikanische Kirche keineswegs kleiner. Die Änderung ist vielmehr ein Ausdruck von Respekt und Toleranz. Ähnliche Debatten kennt auch Deutschland. Man denke nur an Christian Wulffs Satz "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland" von 2010, der auch heftige Kritik hervorrief.
Die Kritik an König Charles III. erinnert ebenso an die Erklärung "Nostra Aetate" von 1965, die im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils das Gute im Judentum und im Islam betonte – was Anhänger der Piusbruderschaft bis heute vehement ablehnen. Sie kritisierten auch, dass Papst Johannes Paul II. 1986 erstmals zu einem interreligiösen Treffen hoher Geistlicher nach Assisi einlud.
Oft lautet der Vorwurf: religiöser Mischmasch oder Beliebigkeit. Doch darum geht es nicht. Wer anderen Religionen Wertschätzung entgegenbringt, verrät den eigenen Glauben nicht. Im Gegenteil: Er zeigt, dass religiöse Überzeugung und Religionsfreiheit für alle keine Gegensätze sein müssen.
Der Autor
Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
