Theologin: Fortschritte bei Frauenrolle nicht nur an Weihefrage messen
Die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar will Fortschritte bei der Rolle von Frauen in der Kirche nicht allein an der Weihefrage messen. "Wir brauchen eine größere Vision", sagte Csiszar laut der österreichischen Nachrichtgenagentur "Kathpress" am Wochenende bei einer Veranstaltung des Netzwerks "Frauen.Führen.Kirche" in Wien. Es gehe ab sofort schon um die Sichtbarkeit von Frauen, ihre Mitverantwortung in Seelsorge, Leitung und Liturgie sowie um eine Kultur der Gleichberechtigung.
Frauen sollen nicht länger nur Thema von kirchlichen Beratungen sein, sondern selbst Verantwortung übernehmen, so Csiszar weiter. "Frauen sollten auch Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen, damit sie mitentscheiden können." Mit den ersten Präfektinnen an der Spitze vatikanischer Dikasterien habe sich vieles bewegt. "Vor eineinhalb Jahren haben wir noch gerätselt, welches Dikasterium wohl als erstes von einer Frau geleitet werden würde. Heute gibt es bereits drei Präfektinnen am Heiligen Stuhl."
Csiszar, die bei den beiden Sitzungsperioden der Weltsynode 2023 und 2024 als Expertin dabei war, plädierte mit Blick auf den weiteren Prozess für eine vatikanische Versammlung, die das Thema Frauen in Verantwortung vertieft. "Was wäre zum Beispiel, wenn der Papst eine Frauensynode in Rom einberufen würde, eine Synode über die Rolle der Frauen in der Kirche? Dort könnten Frauen aus aller Welt erzählen und mitberaten, wie sie Kirche, Berufung und Taufwürde in den verschiedenen Kontexten erleben."
Kein böser Wille
Ihre Beobachtung sei, dass Bischöfe und Priester in der Regel nicht aus bösem Willen handeln, wenn sie Frauen in vielen Kontexten übersehen. Sie hätten "schlicht überhaupt keine Vorstellung davon, wie es Frauen in der Kirche geht. Wie es ist, als Frau die Kirche und Gesellschaft zu gestalten, mit der Hierarchie zusammenzuarbeiten und übergangen zu werden. Wie es ist, wenn Wortmeldungen von Frauen überhört werden, aber wenn derselbe Satz direkt anschließend von einem Mann gesagt und plötzlich gehört wird."
In einer Frauensynode ginge es daher vorrangig darum, einen Raum zu öffnen, in dem die Leitung der Kirche den Frauen ernsthaft zuhören will. "Sonst bleiben – so befürchte ich – auch die im Oktober 2024 im Rahmen der Weltsynode vorgetragenen Schuldbekenntnisse von Kardinälen, die unter anderem das Versagen der Kirche gegenüber Frauen benennen, weitgehend folgenlos."
Trotz vieler offener Fragen habe die Weltsynode sie gelehrt, Veränderungen nicht an einzelnen Forderungen festzumachen, sondern am gemeinsamen Weg der Kirche, betonte Csiszar. "Was vom Heiligen Geist kommt, kann nicht aufgehalten werden", sagte sie mit Verweis auf das Schlussdokument der Weltsynode. Es brauche mutige Menschen, die Räume der Begegnungen öffnen, es braucht Verbündete und Netzwerke. "Wir sind Mutmacherinnen und Mutmacher." (mal)
