Im Mainstream zu sein, ist nichts Schlechtes
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Es war nur ein Wort, hat aber doch für Stirnrunzeln gesorgt. Angesichts der Frage der Positionierung des künftigen Bischofs von Eichstätt hatten einige Medien auf die zustimmenden Voten des bisherigen Freiburger Weihbischofs Christian Würtz beim Synodalen Weg aufmerksam gemacht. Man dürfe ihn aber nicht als "Mainstreamtheologen" abqualifizieren, hieß es dann in einem Kommentar dazu. Man horcht auf, wundert sich und ist verstimmt. Was soll das eigentlich heißen, wenn dieser Begriff bewusst abwertend verwendet wird?
Es mag bessere Ausdrücke geben: Aber dass ein Bischof auf die schauen sollte, für die er verantwortlich ist, sollte selbstverständlich sein. Papst Franziskus hatte gerne davon gesprochen, dass jeder Bischof den "Geruch der Schafe" annehmen solle – und auch Leo XIV. ist mit seinen Bischofsernennungen bisher ganz auf dieser Linie. Natürlich muss man auch den verlorenen Schafen nachgehen und bis an die Ränder gehen. Das ändert aber nichts daran, dass – ganz traditionell gedacht – der Bischof seine Herde im Blick haben sollte.
Das Projekt Synodalität, das Franziskus wie Leo vorangetrieben haben und vorantreiben, ist gar nicht anders denkbar als mit einem starken Sinn für den "sensus fidelium", den Glaubenssinn der Gläubigen. Wie wollte man Bischof sein, ohne das Ganze, ohne die Einheit im Blick zu haben, und nicht nur den einen Rand oder das eine Extrem? So richtig es ist, dass Einheit katholischerseits nie ohne die Weltkirche zu denken ist: Gerade angesichts der Bedrohung durch eine zunehmende Polarisierung kommt dem Bischof in seiner Sorge um die Mitte eine besondere Rolle zu. Der Bischof ist Hirte seiner Herde. Insofern ist es kein Schaden, wenn man ein gutes Gespür für den Mainstream hat – und der despektierlich verwendete Begriff "Mainstreamtheologe" ist deplatziert.
Der Autor
Dr. Stefan Orth ist Chefredakteur der "Herder Korrespondenz".
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
