Partnerschaften für die Demokratie
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Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt derzeit bei rund 41 Prozent. Auch wenn das Schlimmste – eine Regierung der AfD – hoffentlich verhindert werden kann, wird diese Partei stark sein und ihre Programmatik verfolgen. Darin werden neben dem Rundfunk, dem Wohlfahrts-, Bildungs- und Kulturbereich auch die Kirchen angegriffen. Demokratische und menschenrechtliche Standards werden massiv in Frage gestellt. Viele Menschen haben Angst, dass Demokratieprojekte beendet und Lehrpläne umgeschrieben werden, und sie selbst oder auch Menschen im Kollegen- oder Freundeskreis noch mehr als bisher bedroht oder auch abgeschoben werden. Diese Ängste sind berechtigt. Personen und Gruppen, die sich diesen Entwicklungen offen entgegenstellen, beweisen Mut und verdienen Respekt und Unterstützung.
Auch Bischof Gerhard Feige weist seit längerer Zeit höchst besorgt auf die Gefahren hin. Wenn er beklagt, die Empathie gehe verloren, dann warnt er nicht nur vor Zukünftigem, sondern beschreibt, was er erlebt. Mit der couragierten Initiative „Bewusst wählen“ tritt das kleine Bistum Magdeburg für Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität ein.
Es ist gut, dass sich beide großen Kirchen bundesweit klar positioniert haben, es ist wichtig, dass es Netzwerke gibt, die von Christ*innen initiiert werden oder an denen sie teilhaben, und es ist hilfreich, wenn Kirche ihre Infrastruktur anbietet, um Begegnungs- und Gesprächsräume zu ermöglichen. Wenn es dadurch gelingt, Sorgen ernst zu nehmen, Faktenwissen auszutauschen und eine Kultur des Zuhörens zu etablieren, dann wird vielleicht auch die eine oder andere Person aus dem Kreis derer erreicht, die aus Resignation zur AfD tendiert.
Ein Ansatz, den es bereits gibt, könnte in dem Zusammenhang neu belebt oder auch vertieft werden: Gemeindepartnerschaften zwischen Ost und West – am besten im Rahmen ökumenischer Kontakte. Auch Städtepartnerschaften könnten von demokratisch engagierten Kirchenmitgliedern als Anknüpfungspunkte genutzt werden, um einander zu begegnen, zuzuhören und Erfahrungen auszutauschen.
Beim Motto „Bewusst wählen“ kann es um mehr als nur eine Vorbereitung auf einen Wahlsonntag gehen. „Bewusst wählen“ kann Menschen verbinden, die gerade in einer Zeit wachsender Verunsicherung und Isolation einander in Verbundenheit bestärken wollen durch das konkrete Einüben von Empathie, Wertschätzung und Dialog.
Die Demokratie in Deutschland ist in Gefahr. Demokratische Handlungsmöglichkeiten müssen erhalten und gefördert werden. Kirche kann auf unterschiedlichen Ebenen – materiell, strukturell, menschlich zugewandt und bei Bedarf auch mutig und risikobereit – dazu beitragen.
Die Autorin
Regina Nagel ist Religionspädagogin, Wirtschaftspsychologin und Autorin. Sie studiert derzeit Geschichte Europas an der FernUniversität Hagen und engagiert sich bei den Omas gegen Rechts Deutschland e.V.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
