"Bewusst wählen"

Katholische Kampagne zu Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – gegen rechts

Veröffentlicht am 07.05.2026 um 00:01 Uhr – Lesedauer: 

Magdeburg ‐ Polarisierung, Extremismus und Angst sollen nicht das letzte Wort haben: Die katholische Kirche startet die Kampagne "Bewusst wählen" zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Mit Argumentationstrainings, Schulungen und mehr.

  • Teilen:

Die katholische Kirche hat eine Kampagne zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September gestartet. Die Initiative "Bewusst wählen" ruft Wählerinnen und Wähler auf, sich mit den Parteiprogrammen auseinanderzusetzen, nicht aus dem Bauch heraus zu wählen und nicht destruktiver, populistischer Stimmungsmache zu folgen. "Wir wollen Orientierung geben nicht parteipolitisch, sondern wertebasiert", sagte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige am Mittwoch bei der Vorstellung. Wählen sei mehr als eine politische Entscheidung. Bewusst wählen heiße, menschlich und verantwortungsbewusst zu wählen, so der Leitgedanke der Kampagne.

Hass und Hetze fordern heraus

Bischof Feige erklärte, es sei Aufgabe der Kirche, sich für Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität einzusetzen. "Besonders herausgefordert sind wir dann, wenn Hass und Hetze sowie populistische oder extremistische Positionen zunehmend salonfähig werden." Dies beobachte er immer stärker. Zugleich betonte er: "Wir arbeiten uns hier nicht an einer Partei ab." Sondern es gehe darum, den Zusammenhalt der Gesellschaft wieder zu stärken, der durch geschürtes Misstrauen gezielt untergraben werde.

Mit der Initiative will die Kirche Polarisierung, Extremismus, Angst und Gleichgültigkeit nicht das letzte Wort überlassen, sondern durch sichtbare Zeichen, Dialogformate und Bildungsangebote Räume für Begegnung, Reflexion und verantwortliche Gewissensbildung schaffen.

In Sachsen-Anhalt liegt die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD bei Wahlumfragen aktuell bei 38 Prozent, gefolgt von CDU (26 Prozent), Linken (13 Prozent), SPD (6 Prozent) und Grünen (4 Prozent).

 Werbe-Tüte der AfD in einer Kirche
Bild: ©KNA/Harald Oppitz (Symbolbild)

Im AfD-Landtagswahlprogramm für Sachsen-Anhalt finden sich klar kirchenfeindliche Positionen

Geplant sind im Rahmen der Initiative eine Plakat-Kampagne, öffentliche Aktionen und beispielsweise Vorträge des Theologen und früheren Leiters der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, zu Themen wie: "Warum ich gern mit AfD-Wählern rede" sowie zu den klar kirchenfeindlichen Positionen im AfD-Landtagswahlprogramm. Zudem gibt es neben Info-Broschüren auch Schulungsangebote zum Umgang mit Rechtsextremismus etwa in der Jugendarbeit und zu juristischen Tools gegen autoritäre und rechte Angriffe sowie Argumentationstrainings gegen Stammtisch-Parolen.

Feige hob hervor, wenn den Kirchen im Land wie im AfD-Landtagswahlprogramm angekündigt Gelder gestrichen würden, "dann schadet das nicht den kirchlichen Institutionen, sondern Menschen". Und zwar all jenen, die etwa von den vielfältigen Hilfsangeboten der Caritas profitierten oder den kirchlichen Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen. Diese stünden allen Menschen offen.

Träger des Bündnisses sind neben dem Bistum diverse katholische Organisationen und Initiativen wie etwa die Caritas, die Edith-Stein-Schulstiftung und die katholische Erwachsenenbildung. Mit 68.000 Mitgliedern ist das Bistum Magdeburg das zweitkleinste deutsche Bistum. Drei Prozent der Sachsen-Anhalter sind katholisch. (KNA)