Lob-Hüdepohl: Leihmutterschaft wird zunehmend kritisch gesehen
Der Theologe und Ethiker Andreas Lob-Hüdepohl hat sich gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen. "Ich wüsste nicht, warum die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland schwerwiegende Menschenrechtsverstöße billiger und damit für noch mehr Menschen erschwinglicher machen sollte", sagte Lob-Hüdepohl am Freitag auf Anfrage.
Zuvor hatte Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) eine neue Debatte über Leihmutterschaft ausgelöst. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke hatten mitgeteilt, dass sie beide Eltern geworden seien. Der Sohn mit Namen Georg kam demnach in den USA zur Welt und wurde von einer Leihmutter geboren.
Soziale Ungleichheiten
Lob-Hüdepohl betonte weiter, das Thema Leihmutterschaft werde weltweit zunehmend kritisch gesehen. Die entsprechende UN-Sonderberichterstatterin habe sich im vergangenen Jahr für ein klares Verbot ausgesprochen. Der Ethiker verwies darauf, dass sich in weit über 40 Ländern einige hundert Nichtregierungsorganisationen dieser Forderung angeschlossen. Diese Organisationen stünden in der Regel den Frauen sehr nahe.
Er teile die Einschätzung des UN-Berichts, dass Leihmutterschaft Kinder und Frauen zur Ware reduziere, sagte Lob-Hüdepohl. Sie nutze soziale Ungleichheiten und beute finanziell benachteiligte Frauen aus.
Zur Kommunikation des Ehepaars Spahn/Funke über die Geburt ihres Kindes sagte Lob-Hüdepohl, er wage es zu bezweifeln, dass es dem Wohl des Kindes diene, wenn sein Schicksal von Anfang an in solcher Form in die Öffentlichkeit gezerrt werde. (KNA)
