Der Schauspieler Stephan Zinner ist durch seine TV-Rolle als Pfarrer wieder ins Nachdenken über den Glauben gekommen. "Meine Sicht auf Glauben und Religion hat die Rolle nicht verändert, aber sie hat mich wieder in Bewegung gesetzt, mir mehr Gedanken darüber zu machen", sagte Zinner in einem Interview mit der österreichischen "Kronen Zeitung" (Mittwoch). "Ich persönlich bin nicht die ideale religiöse Institution, aber der Grundansatz von Pfarrer Reiser ist gut", sagte der Schauspieler über seine Rolle in der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament". Wenn alle danach leben würden, wäre die Welt aus Sicht des Schauspielers eine Bessere.
Zugleich äußerte Zinner sich auch kritisch zur Situation der Kirchen. "Die Ausführung in der Institution Kirche ist heute zum Teil katastrophal", erklärte der 52-Jährige. Freunde und Bekannte von ihm seien aktiv in ländlichen Gemeinden der evangelischen Kirche beteiligt. "Die kämpfen gegen die Obrigkeiten und da ist es grotesk, was man so alles mitkriegt. Vor allem aber auch ein bisschen traurig." Bei Gottesdiensten sei die Anzahl junger und jüngerer Leute in seinen Augen noch relativ hoch. "Es gibt genug Menschen, die danach suchen aber in diesem klassischen, verstaubten Bereich nichts für sich finden", so Zinner. "Diese zölibatäre Funktion der Kirche kommt bei jungen Menschen nicht mehr an und das ist ein Fehler. Die Kirche macht viele fundamentale Fehler und ist zu unbeweglich, deshalb kann sie jüngeren Menschen auch sehr schwer nähergebracht werden."
Anlass für das Interview war der Ausstrahlungsbeginn der zweiten Staffel der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" im ORF. Sie basiert auf dem gleichnamigen Buch des populären Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler; auch Zinners Rolle ist von Schießler inspiriert. Er habe ihn und dessen Gottesdienste besucht, um zu schauen, wie er arbeite, sagte der Schauspieler. "Ich habe versucht, mir von dort einiges abzuschauen, aber auch nicht zu kopieren." Zinner selbst ist vor einigen Jahren aus der evangelischen Kirche ausgetreten. (cbr)