Rückstände und Rückschlüsse

Turiner Grabtuch: Neue DNA-Analyse zeigt bewegte Geschichte

Das Grabtuch von Turin im Turiner Dom am 18. April 2015.
Bild: KNA/Paul Haring/CNS photo

Neue DNA-Analysen des Turiner Grabtuchs zeichnen ein komplexes Bild seiner Geschichte. Die im Juli in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlichte Studie fand Erbgut von Menschen, Tieren und Pflanzen aus unterschiedlichen Regionen – beantwortet die Frage nach Alter und Herkunft des Tuchs jedoch nicht.

Die menschlichen DNA-Spuren weisen überwiegend Verbindungen zum Nahen Osten auf: Rund 56 Prozent lassen sich entsprechenden Abstammungslinien zuordnen. Weniger als 6 Prozent stammen aus westeuropäischen Linien, aber knapp 40 Prozent aus indischen. Nach Einschätzung der Forscher könnte dies mit antiken Handelswegen für Leinen zusammenhängen, das Römer aus der Nähe des Indus-Tals importiert haben könnten.

Mediterrane Reise und Möhren

Weitere Rückstände – unter anderem von roten Korallen, Haustieren sowie Kulturpflanzen – sprechen nach Ansicht der Forscher dafür, dass das Tuch über Jahrhunderte eine mediterrane Reise unternommen haben könnte. Besonders auffällig: der hohe Anteil von Karotten-DNA. Zwar wurde sie schon von den Römern genutzt, jedoch scheint diese Möhrensorte wenigstens aus dem Mittelalter zu stammen.

Zudem fanden sich Spuren von Bananen und Mais, deren Auftreten im Mittelmeerraum vergleichsweise spät belegt ist. Zugleich fehlen typische Pflanzenarten des Nahen Ostens. Das werfe Fragen nach der Umgebung auf, in der das Tuch entstand oder genutzt wurde. Alles deute darauf hin, dass das Tuch unterschiedlichen Umgebungen und Völkern ausgesetzt war. Die Ergebnisse beleuchteten eingehend die biologischen Spuren, die durch jahrhundertelange soziale, kulturelle und ökologische Einwirkungen hinterlassen wurden, so die Wissenschaftler.

Kirche: Datierung nicht entscheidend

Das 4,40 Meter lange und 1,13 Meter breite Grabtuch von Turin gehört zu den meistuntersuchten archäologischen Objekten der Welt. Es zeigt Ganzkörper-Spuren eines gegeißelten und gekreuzigten Mannes. Ob es sich tatsächlich um Jesus handelt, ist umstritten.

Die katholische Kirche hat sich nicht offiziell zur Echtheit geäußert. Es ist daher keine Reliquie im strengen Sinne. Kirchenvertreter verweisen darauf, dass die Frage der Datierung für den Glauben nicht entscheidend sei. Das Tuch wird seit 1578 im Turiner Dom aufbewahrt und nur selten öffentlich gezeigt. Die letzte große öffentliche Präsentation fand im Jahr 2015 statt. (KNA)