In französischen Medien halten sich die Spekulationen beharrlich. Sie wirken gut unterlegt: Wenn Papst Leo XIV. vom 25. bis 28. September Frankreich besucht, dann soll die Schlussetappe im lothringischen Metz ein starker europäischer Moment sein.
Geplant sei dort, hieß es kürzlich in "Libération", eine "große Rede über Europa". Der Élysée-Palast wolle dieser Rede "durch die Einladung mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs einen feierlichen Rahmen verleihen".
Wow. Emmanuel Macron hat es nötig. Frankreich hat es nötig. Aber gewiss auch Europa. Eine solche Rede Leos würde zu seinem Pontifikat passen, in dem er Bündnispartner braucht gegen die allzu oft demokratiefeindlichen Akteure in den USA, gegen den mörderischen Kriegstreiber in Moskau, auch gegen die KI-Machtseligen.
Bei aller Wertschätzung für Papst Franziskus (2013–2025) … Der Papst aus der Ferne reiste nach 20 Monaten im Amt kurz nach Straßburg und nutzte Reden dort auch für eine Generalabrechnung mit dem alten Europa. Danach zog es ihn am ehesten noch an die Ränder Europas. Mit der europäischen Idee wurde er nie recht warm.
Das scheint bei Leo anders. Wer heute noch Multilateralismus und eine weltweite Verantwortungsgemeinschaft predigt, wer Abschottung anprangert, findet seine Bündnispartner unter den Mächtigen nicht in den USA, China oder Japan, kaum in Lateinamerika. So wertschätzt der derzeit weltweit wichtigste Amerikaner in veränderter Zeit Europa.
Für Metz nannten französische Medien Merz schon mal explizit, über Selenskyj wurde spekuliert. Ursula von der Leyen und weitere kämen einem in den Sinn.
Reisen des Bundeskanzlers werden in aller Regel erst am Freitag der Vorwoche angekündigt. Aber Friedrich Merz hat den Termin 28. September hoffentlich fest im Kalender notiert. Metz, nicht weit von Verdun entfernt, ist eine in vieler Hinsicht europäische Stadt. Einer der größten Söhne der Region ist Robert Schuman (1886–1963), einer der großen Europäer bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Die EU in heutiger Form gäbe es ohne ihn kaum. Aus dieser Erinnerung mit dem Papst auf die Zukunft schauen – diese Chance sollte man nutzen, Kanzler Merz und die europäische Spitzenpolitik.
Der Autor
Christoph Strack ist Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion und Religionspolitik.
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