Liturgiestreit sei "echte Sünde"

Kardinal Sarah will zurück zur Regelung Benedikts XVI. bei Alter Messe

Kardinal Sarah will zurück zur Regelung Benedikts XVI. bei Alter Messe
Bild: KNA/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Kardinal Robert Sarah will die Einschränkung der Alten Messe durch Papst Franziskus (2013–2025) rückabwickeln. In einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Foglio" spricht sich der emeritierte Präfekt des Liturgiedikasteriums dafür aus, zur Regelung von Papst Benedikt XVI. (2005–2013) zurückzukehren. Es sei "ein Drama, ja sogar eine echte Sünde, dass es bei einem so wesentlichen Thema wie der Liturgie eine Art Krieg gibt", so der Kardinal. Die Liturgie sei die Quelle der Gemeinschaft der Kirche.

Benedikt XVI. hatte mit seinem Motu proprio "Summorum Pontificum" (2007) die Feier der vorkonziliaren Liturgie erleichtert und von dem einen Römischen Ritus in zwei Formen, der ordentlichen und der außerordentlichen, gesprochen. Diese Regelung sei Ausdruck einer "ausgewogenen, pastoral und theologisch fundierten Haltung", die es "beiden Formen des lateinischen Ritus ermöglichte, zu bestehen, sich gegenseitig zu bereichern und dem heiligen Volk Gottes bekannt zu werden, das im Laufe der Jahrzehnte entscheiden kann, welche Form seinem Bedürfnis nach Glauben, Stille und Spiritualität am besten entspricht". Papst Franziskus hatte diese Regelung 2021 mit seinem Motu proprio "Traditionis custodes" deutlich eingeschränkt und insbesondere die Figur der zwei Formen eines Ritus abgeschafft.

Gegen willkürliche Veränderungen der Liturgie

Sarah wendet sich dagegen, die Liturgie beliebig zu verändern. "Niemand hat Autorität über die Riten, die aus der jahrhundertelangen Geschichte der Kirche hervorgegangen sind. Die Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden, und niemand kann von heute auf morgen behaupten, dass ein Ritus nicht mehr existiert", so der Kardinal. Niemand würde sich erlauben, die Sixtinische Kapelle zu betreten und Michelangelos "Jüngstes Gericht" zu korrigieren. "Nun ist das Messbuch viel wichtiger, viel älter und viel verbindlicher als Michelangelos 'Jüngstes Gericht', und daher darf niemand etwas am Ritus korrigieren, entfernen, hinzufügen oder ändern, so wie die Kirche ihn den Gläubigen vorlegt", so Sarah weiter.

Im gegenwärtigen Umgang mit der Liturgie sieht Sarah eine Erklärung für Konflikte. "Einige Exzesse derjenigen, die der außerordentlichen Form verbunden sind, sind zum Teil durch die dramatischen und weit verbreiteten Missbräuche der Liturgie der ordentlichen Form gerechtfertigt, die bis heute oft nicht so gefeiert wird, wie es das Konzil gewollt hätte und wie es die Liturgiereform selbst nahelegt." Die Liturgie sei nicht Eigentum der Zelebranten: "Die Liturgie gehört Gott; man tritt in sie ein, und niemand ist ihr Herr." Die Gläubigen hätten "das heilige Recht, an Heiligen Messen teilzunehmen, die so gefeiert werden, wie es die Kirche will, und nicht nach der Willkür oder der Laune des einzelnen Priesters", betont Sarah.

In der vergangenen Woche hatte der amtierende Präfekt des Gottesdienstdikasteriums, Kardinal Arthur Roche, sich überzeugt gezeigt, dass Papst Leo XIV. die Reformen von Franziskus nicht zurücknehmen wird. Zugleich betonte er, die Eucharistie sei ein Sakrament der Einheit. "Wenn sie uns also zu spalten beginnt, stimmt etwas ernsthaft nicht. Aber nein, Papst Leo wird 'Traditionis custodes' nicht ändern und er wird auch nicht zu 'Summorum Pontificum' zurückkehren", so der Präfekt. Papst Leo XIV. hat die von seinem Vorgänger erlassenen Bestimmungen bislang nicht verändert, lässt in ihrer Anwendung aber einen weniger restriktiven Kurs erkennen. (fxn)