Der frühere Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion Alfejew (Foto), muss offenbar vorzeitig einen Alterssitz beziehen. Patriarch Kyrill I. habe ihm den Seelsorgedienst im Kreuzerhöhungskloster südöstlich von Moskau zugewiesen, teilte der 60-Jährige via Telegram mit. Demnach wurde eine Anfang Juni asugesprochene Versetzung nach Brasilien aufgehoben.
Hilarion steckt seit geraumer Zeit in Schwierigkeiten. Nach einem Kokainfund in seinem Auto im westböhmischen Karlsbad und kurzzeitigem Polizeigewahrsam in Tschechien war der Kirchendiplomat Ende Mai nach Moskau zurückgekehrt. Kurz darauf hieß es, er solle zwei Gemeinden im Süden Brasiliens übernehmen. Der Geistliche bestritt, Drogen besessen oder transportiert zu haben, und sprach von einem arrangierten Vorfall.
Enge Kontakte zu Päpsten
Hilarion leitete von 2009 bis 2022 das Außenamt des Moskauer Patriarchates und pflegte enge Kontakte zu den Päpsten Benedikt XVI. (2005–2013) und Franziskus (2013–2025). Nach kritischen Äußerungen zur Rolle seiner Kirche im Ukraine-Krieg wurde er 2022 aus dieser Funktion enthoben und zum Metropoliten von Budapest und Ungarn ernannt.
Angesichts von Missbrauchsvorwürfen wurde er 2024 auch der Leitung der Diözese entbunden und in den Ruhestand versetzt. Die Kirchenleitung entsandte ihn dann zum Dienst nach Karlsbad. Einst galt er als möglicher Nachfolger Kyrills I. (KNA)