Ob es einigen von Ihnen ähnlich erging wie mir? Im Hinsehen auf das heutige Evangelium sah ich auf die Jünger im Boot, wie sie nachts durch Wellen und Sturm rudern. In dieses Bild hinein mischte sich in mir das Bild der norwegischen Fans vor ein paar Wochen bei der Fußball WM 2026. Sie hatten, um ihrer Mannschaft auf dem Feld den Rücken zu stärken und ihnen Mut zu machen, ein Zeichen kreiert. Ganz in ihrer Wikinger Tradition ruderten sie im gleichen Rhythmus sich bewegend ein imaginäres Schiff. Doch um durch die unzähligen Varianten der Stürme des Lebens hindurchzufinden, braucht es mehr als gesundes Selbstvertrauen und Rückenstärkung.
Das Verhalten des Petrus zeigt in die Richtung dieses "Mehr". Er ist fähig, trotz dem Schrei der Angst vor dem, der da in der Nacht gespenstisch auf sie zukommt und sie anspricht, Jesus zu erahnen und ein Gespräch zu beginnen. Er ist in der Lage auf das hin, was der andere ihm sagt, aus dem Boot aufs Wasser zu steigen. Da reicht das gesündeste Selbstvertrauern nicht hin. Das ist gewagter Glaube. Doch Zweifel und Misstrauen nagen bald wieder heftig an ihm. Dann haben weder Wasser noch Glaube noch genug Tragkraft und er beginnt unterzugehen. Was trägt in solcher Not noch weiter? Durchtragen kann ihn und jede und jeden dann nur ein immer neues Vertrauen in den mit uns gehenden Gott. Durchtragen kann uns, dass wir uns ihm anvertrauen. Es gibt Stürme, in die wir durch äußere Ereignisse hineingeraten, wie die weltweiten Katastrophenszenarien. Es gibt auch die Stürme, die sich aus unseren ganz persönlichen inneren Turbulenzen zusammenbrauen. In den einen wie den anderen reicht kraftvolles Rudern allein nicht. In beiden gilt, dass Gott sich oft anders zeigt und uns nahekommt, als wir es erwarten. Aber in allen stürmischen Wettern, wendet er sich uns zu, so dass über die Ängste hinaus unser Vertrauen lebendig wachsen kann, wenn wir zu glauben und uns einzulassen wagen. Wenn wir mitten im Bedrohlichen das Gespräch mit ihm beginnen. Da kann das Dunkel zur Sternstunde werden.
Katharina Wiefel-Jenner schreibt davon, wie Petrus lernen muss, dass es "nicht genügt mit beglücktem Herzen auf Jesus zuzulaufen. Das glückliche Herz allein hat nicht die Kraft, den Fluten zu entgehen." Sie sieht und sagt: dem Untergang widersteht allein das Vertrauen in Gottes Gegenwart.
Es gibt in der Welt und all den Leben Tag für Tag vermutlich viele Sternstunden. Mit ihnen ist es wie in aller Natur: Sterne werden am hellsten und deutlichsten sichtbar, wenn es im Übrigen gerade echt dunkel ist.
Evangelium nach Matthäus (Mt 14, 22–33)
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie,
weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Petrus erwiderte ihm und sagte:
Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
Die Autorin
Sr. Johanna Domek OSB ist seit mehr als 40 Jahren Benediktinerin in Köln-Raderberg, wo sie in der Kurs- und Exerzitienarbeit tätig ist. Darüber hinaus ist sie Beauftragte des Netzwerks alternde Ordensgemeinschaften und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Spiritualität veröffentlicht.
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