Die Kirche und der Fußball – Elf kuriose Geschichten und Fakten

Papst Leo XIV. hält einen schwarzen Filzstift und einen Fußball in der Hand
Bild: KNA/Cristian Gennari/Romano Siciliani

Es ist so weit: Nach mehr als fünf Wochen Turnier und über 100 Spielen steht heute das Finale der Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika an. Wenn Spanien auf Argentinien trifft, fiebern Milliarden Menschen weltweit mit – natürlich auch Vertreter der katholischen Kirche. Denn diese verbindet mehr mit dem Fußball, als viele auf dem ersten Blick vermuten: sportbegeisterte Päpste, ein eigener Spielbetrieb im Vatikan und Geistliche als Teamseelsorger. Elf überraschende Fakten über die Kirche und das runde Leder.

Johannes Paul II. (1978–2005) war wohl einer der sportlichsten Päpste der Neuzeit. Schon als junger Mann in Polen war Karol Wojtyła ein begeisterter Skifahrer, Schwimmer und Wanderer. Auch Fußball spielte er als kleiner Junge auf den Bolzplätzen seiner Heimatstadt Wadowice – und stand in Schüler- und Jugendmannschaften häufig im Tor. Wenn in der jüdischen Mannschaft der Torwart fehlte, war für ihn völlig selbstverständlich, bei ihnen auszuhelfen.

Ob sich Papst Leo XIV. das WM-Finale in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo ansieht, ist nicht bekannt. Sein Vorgänger Franziskus (2013–2025) hätte es wohl nicht getan. Und das, obwohl "seine" Argentinier dabei sind. Jorge Mario Bergoglio, ein glühender Fußball-Fan, hatte nämlich 1990 der Gottesmutter versprochen, sich nie wieder ein Fußballspiel im TV anzuschauen – offenbar auch aus Frust über die Niederlage der argentinischen Nationalmannschaft im WM-Finale gegen Deutschland. Sein Gelübde hielt Franziskus auch beim Finale der vergangenen WM 2022 in Katar ein, als Argentinien im Finale Frankreich besiegte. Informiert über alle wichtigen Ergebnisse wurde er allerdings dennoch. So soll ihm ein Schweizergardist regelmäßig die Resultate seines Lieblingsvereins San Lorenzo aus Buenos Aires auf einen kleinen Zettel geschrieben haben.

Leidenschaft für den Fußball: Papst Franziskus ist seit Langem Fan und Mitglied des Vereins San Lorenzo de Almagro.
Bild: © picture alliance / AP Photo (Archivbild)

Leidenschaft für den Fußball: Auch als Papst war Franziskus weiterhin Fan seines Lieblingsvereins San Lorenzo de Almagro in Argentinien. Fußballspiele im TV verfolgte er allerdings nicht mehr.

FIFA-Mitglied ist der Vatikan nicht – angesichts mancher Machenschaften des Fußball-Weltverbands würde sich das für den Staat des Papstes wohl auch nicht ziemen. Eine "Nationalmannschaft" hat er dennoch. Sie besteht aus Schweizergardisten, Mitarbeitern des Vatikans und Mitgliedern der vatikanischen Verwaltung. Sie spielt regelmäßig Freundschaftsspiele, meistens für den guten Zweck. Zuletzt lief sie im bayerisch-schwäbischen Dillingen auf und traf dort auf eine illustre Auswahl von Ex-Bundesliga-Profis – unter anderem Ailton, Tim Wiese und Halil Altintop. Einen Tag darauf folgte das nächste Highlight: ein Besuch auf dem Trainingsgelände des FC Bayern an der Säbener Straße in München, inklusive Handshake mit Trainer Vincent Kompany.

Nicht nur eine Nationalmannschaft gibt es im Vatikan, auch einen regelmäßigen Spielbetrieb und sogar zwei verschiedene Wettbewerbe. Der eine ist der Clericus-Cup. Dort treten Teams der in Rom ansässigen Ordensniederlassungen und Priesterseminare an. Es gelten leicht angepasste Regeln: Die Spielzeit beträgt zwei Mal 30 Minuten; neben der Gelben und Roten Karte gibt es eine Blaue Karte für mittelschwere Vergehen, die eine fünfminütige Zeitstrafe zur Folge hat. Ersonnen wurde der Wettbewerb von dem ehemaligen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der ein großer Fußballfan ist.

Der andere Wettbewerb ist der "Campionato Vaticano". Die Mannschaften, die dort antreten, bestehen aus Mitarbeitern verschiedener Einrichtungen, darunter sind die Vatikanischen Museen und die Schweizergarde. 2026 holte sich das Archiv-Team dem Titel – wie bereits im Vorjahr.

Innerhalb der Vatikan-Mauern gibt es natürlich nicht genügend Platz für ein Fußballfeld, das den offiziellen Maßgaben entspricht. Daher finden alle Spiele von Vatikan-Teams im "Campo Pio XI." statt. Diese Anlage befindet südwestlich vom Vatikan und bietet eine beeindruckende Aussicht auf die Kuppel der Petersbasilika.

Stadien, gerade mit einer außergewöhnlichen Bauweise oder beindruckender Größe, gelten als "Kathedralen des Fußballs". Manche Betreiber oder Vereine nehmen diese Bezeichnung offenbar sehr ernst – und haben Kapellen in den Katakomben einrichten lassen. In Deutschland gibt es vier Stadionkapellen: Im Berliner Olympiastadion, in der Arena "Auf Schalke", in Frankfurt und im Wolfsburg. Diese werden ökumenisch getragen. Man kann dort Andachten abhalten, heiraten oder Taufen feiern – wenn gewünscht, natürlich in den entsprechenden Vereinsfarben.

Diakon Gregor Bellin rückt in der Kapelle im Berliner Olympiastadion eine Kerze auf dem Altar zurecht
Bild: © KNA/Michael Kinnen

Arbeitet als katholischer Seelsorger im Berliner Olympiastadion: Diakon Gregor Bellin.

Bei Vereinsnamen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Da ist es kein Wunder, dass manche die Namen von Heiligen führen. In Bamberg gibt es beispielweise die DJK Don Bosco. Diese entstand 1950 in einem katholischen Knabenhort, der von Salesianern Don Boscos geleitet wurde – so wurde der Club nach dem Ordensgründer benannt. 2026 gelang der ersten Mannschaft der Sprung in die fünftklassige Bayernliga.

International gibt es zwei gleichnamige Vereine, die sich ebenfalls auf den Heiligen aus Italien berufen: In Haiti und Puerto Rico spielt jeweils ein Don Bosco FC. Und auch der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, ist Namensgeber eines Fußballvereins: des Loyola FC aus Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Gegründet wurde der Club 2006 von Studenten einer Universität, deren Patron Ignatius ist.

Ob es ein Trost für die Italiener angesichts dreier verpasster WM-Endrunden in Folge ist? Zumindest ist der Patron des Fußballs einer von ihnen: der heilige Luigi Scrosoppi (1804–1884). 2010 wurde er zum Schutzheiligen aller Kicker ernannt. Die Initiative ging damals von einem österreichischen Geschäftsmann und Fußballfan aus. Denn prinzipiell hat jeder Gläubige das Recht, einen Schutzpatron vorzuschlagen – am Ende muss nur der jeweilige Bischof zustimmen. Der Vorschlag fiel damals auf viele offene Ohren, auch in der Sektion "Kirche und Sport" im Päpstlichen Laienrat. Zumindest einmal dürfte Luigi seinen Landsleuten besonders geholfen haben: Beim Sieg im EM-Finale 2021 gegen England nach Elfmeterschießen.

Die letzte Woche im Mai 2022 war eine besondere für Fortunato Frezza (84), profilierter Bibelwissenschaftler und Kanoniker am Petersdom. Nicht nur, dass ihn Papst Franziskus damals überraschend zu Kardinal ernannt hat – Frezza war zu diesem Zeitpunkt schon 80 Jahre alt und kein Bischof. Ein großes Highlight in seinem Leben konnte Frezza bereits einige Tage zuvor feiern: Seine AS Roma gewannt die UEFA Conference League und damit erstmals in ihrer Geschichte einen internationalen Titel. Frezza war der Roma sein Leben lang tief verbunden: als Fan, Jugendspieler – und knapp 30 Jahre lang als Vereinsseelsorger.

Der Erzbischof von Rouen in Frankreich, Dominique Lebrun, spricht bei einer Pressekonferenz
Bild: © IMAGO / ABACAPRESS

Hat eine Vergangenheit als Fußball-Schiedsrichter: Erzbischof Dominique Lebrun.

Ein weiterer hochrangiger Geistlicher mit enger Fußball-Verbindung ist Dominique Lebrun (68), Erzbischof im französischen Rouen. Er war in jungen Jahren fast 13 Jahre als Schiedsrichter beim Französischen Fußballverband aktiv – auch, als er schon Priester war.

Geschadet hat der besondere Beistand offenbar nicht: Auf dem Weg zum Titel bei der WM 1990 in Italien wurde die deutsche Nationalmannschaft auf Initiative von Teamchef Franz Beckenbauer von einem Ordensmann begleitet. Der Kapuziner Matthias Doll stand der Mannschaft seelsorglich zur Seite und feierte im Mannschaftsquartier Gottesdienste mit den Spielern. Nach der WM blieb er Beckenbauer freundschaftlich verbunden und segnete sogar dessen Haus. Doll ging als vorerst letzter Seelsorger für die DFB-Elf in die Geschichte ein. 2004 wollte Beckenbauer den damaligen Teamchef Rudi Völler, überzeugen, Doll zur EM nach Portugal mitzunehmen. Völler lehnte ab – Deutschland schied glanzlos in der Vorrunde aus. Und auch bei der diesjährigen WM hätte die deutsche Nationalmannschaft einen Seelsorger vermutlich gut gebrauchen können...

Er nannte sich einst selbst "The Special One": José Mourinho gilt als einer der eigenwilligsten Trainer der Welt – wohl auch deshalb wurde er in diesem Sommer zum zweiten Mal von Real Madrid verpflichtet, um die zuletzt etwas aus dem Ruder gelaufenen Mannschaft der Königlichen zu befrieden. Wenn es allerdings um die gute Sache geht, zögert der Portugiese nie. 2016 lieh er in einem Zeichentrickfilm über den Wallfahrtsort Fatima Papst Franziskus seine Stimme. Das wurde vom Vatikan ausdrücklich gebilligt, denn Mourinho ist bekennender Katholik. Das Honorar spendete der Fußballlehrer übrigens für benachteiligte Kinder.

Matthias Altmann

Schlagworte: