Nachfolger reagiert mit Brief

Ex-Bischof des Missbrauchs für schuldig befunden

Insignien des Bischofs
Bild: KNA

Der frühere Bischof im westaustralischen Broome, Christopher Saunders (76), ist wegen sexueller Übergriffe auf zwei junge indigene Männer schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen am Bezirksgericht von Western Australia befanden ihn am Donnerstag in 13 Fällen für schuldig: einmal wegen sexueller Penetration und zwölfmal wegen unsittlicher Übergriffe. In sechs Fällen sprach ihn das Gericht frei. Das Strafmaß werde für Ende September erwartet, berichtete die Australian Broadcasting Corporation (ABC) am Freitag.

Saunders war von 1996 bis 2021 Bischof der im Nordwesten Australiens gelegenen Diözese Broome. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Saunders junge Aboriginal-Männer mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell missbraucht habe. Die Taten ereigneten sich Gerichtsakten zufolge zwischen 2008 und 2019.

Vatikan-Bericht war durchgesickert

Bereits im August 2021 war Saunders als Bischof von Broome zurückgetreten. Der Vatikan hatte in dem Fall eigene Ermittlungen aufgenommen. Ein 200 Seiten starker Untersuchungsbericht vom September 2023, war an australische Medien durchgesickert. Er warf dem emeritierten Bischof "sehr schweres" Fehlverhalten vor. Saunders selbst streitet ein Fehlverhalten ab; er kann vor der australischen Justiz in Berufung gehen.

Saunders' Nachfolger, Bischof Timothy Norton (68), äußerte Bedauern über das Leid, das die Betroffenen erlitten hätten. Er schäme sich dafür, schrieb er in einem Brief an die Gläubigen der Diözese. Besonders würdigte er den Mut der Betroffenen und anderer Zeugen, die sich zu Wort gemeldet hätten. Sie müssten "mit Mitgefühl gehört und mit Würde behandelt" werden. Zugleich äußerte Norton Bedauern darüber, dass es so lange gedauert habe, bis ihre Stimmen gehört und ihr Leid anerkannt worden sei.

Auch die australische Bischofskonferenz begrüßte den Schuldspruch Saunders'. Dessen Missbrauchsverbrechen stellten "einen Verrat an allem dar, wofür das Evangelium und die katholische Kirche stehen", erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Timothy Costelloe, in einem am Freitag veröffentlichten Hirtenbrief. Die Vergehen "verletzen die Menschenwürde der Opfer ... und missbrauchen ihr Vertrauen aufs Schärfste: Diese Verbrechen verdienen die schärfste Verurteilung", so Costelloe.

Das dünn besiedelte Bistum in Westaustralien umfasst 773.000 Quadratkilometer und ist damit mehr als doppelt so groß wie Deutschland. 10.000 der rund 50.000 Bewohner sind Katholiken. Die Region Kimberley innerhalb des Bistums hat eine der größten Aboriginal-Populationen. Saunders, der das Küstenbistum mehr als 20 Jahre leitete, hatte sich zuvor einen Namen als Streiter für die Rechte der Aboriginals gemacht. (cbr/KNA)

14.08.2026, 14.55 Uhr: Ergänzt um Aussage von Erzbischof Costelloe.