Weg von einer Kultur, die von Klerikalismus, Hierarchie und institutioneller Selbstgenügsamkeit geprägt ist, hin zu mehr Mitverantwortung und Unterscheidungsfähigkeit: Die Kirche muss sich in diese Richtung bewegen, forderte die französische Ordensfrau und Theologin Nathalie Becquart laut dem Portal "Global Sisters Report" (Dienstag) bei einer Konferenz der US-Ordensfrauenvereinigung "Leadership Conference of Women Religious" (LCWR).
Dass Synodalität in der Kirche ein schwieriges Thema sein kann, habe damit zu tun, dass Gläubige bestimmte Formen des Kircheseins seit Langem kennen. "Wir wissen, wer spricht, wer lehrt, wer entscheidet und wer zuhört", sagte die Untersekretärin im vatikanischen Synodensekretariat und fügte hinzu: "Um diese Muster zu überwinden, bedarf es mehr als nur einer Strukturänderung. Es bedarf eines Kulturwandels und letztlich einer Veränderung in uns selbst."
Papst meldete sich zu Wort
Der theologische Kern dieses neuen Verständnisses des Kirchesein liegt für die Ordensfrau im Austausch von Gaben. "Keine einzelne Stimme, keine Tradition und kein einzelnes Charisma kann die Fülle der Offenbarung vollständig erfassen", so die Theologin weiter. Deshalb trage jedes Charisma "etwas Unersetzliches zu unserem Verständnis von Christus und dem Evangelium bei".
Becquart gehörte zu den Rednerinnen der LCWR-Konferenz. Die Vereinigung zählt rund 1.270 Mitglieder. Sie sind Leiterinnen verschiedener Frauenkongregationen und repräsentieren damit etwa 66 Prozent der rund 35.000 Ordensschwestern in den Vereinigten Staaten. Mit der diesjährigen Konferenz beging die LCWR ihr 70-jähriges Bestehen. Auch der Papst meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort und forderte die Ordensfrauen auf, Expertinnen für Synodalität zu werden. (mtr)