Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Bischof Feige: Nehme Angst wahr, dass die Verhältnisse kippen könnten

Bischof Feige: Nehme Angst wahr, dass die Verhältnisse kippen könnten
Bild: Bistum Magdeburg

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige erwartet von den Parteien nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt glaubwürdiges, bürgernahes und problembewusstes Handeln. "Ich erwarte Sensibilität. Seit 1990 hat sich vieles zum Besseren verändert. Aber es gibt auch viele Schicksale. Viele Menschen haben den Eindruck, dass bestimmte Befindlichkeiten des Ostens nicht ausreichend zur Kenntnis genommen wurden und werden", sagte er im Interview der Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Samstag).

"Verwerfungen und eine gewisse Polarisierung"

"Ich möchte aber nicht von einer Spaltung sprechen. Es gibt Verwerfungen und eine gewisse Polarisierung", so der Bischof. Zugleich nimmt er in der Bevölkerung eine Angst wahr, "dass die Verhältnisse kippen könnten". In aktuellen Umfragen liegt die gesichert rechtsextreme AfD bei 41 Prozent. Feige weist immer wieder darauf hin, dass das Programm der Partei die Menschenwürde untergrabe, von völkischem Nationalismus geprägt sei und damit nicht mit den christlichen Werten vereinbar sei.

Feige erklärte: "Ich erlebe eine große Zustimmung für meine Positionierung. Es gibt aber auch unter den katholischen und evangelischen Christen Leute, die mit der AfD sympathisieren." Diese gäben sich allerdings meistens nicht zu erkennen. Es erinnere ihn an DDR-Zeiten: "Man wusste, mit wem man worüber sprechen kann. Das andere hat man in der Öffentlichkeit nicht gesagt." Auch heute gebe es Familien, Freundeskreise und Nachbarschaften, in denen bestimmte Themen nicht mehr angesprochen würden, um den Zusammenhalt nicht zu gefährden. "Aber das ist eine gefährliche Entwicklung", betonte der Bischof.

"Ich verzweifle nicht"

Argumentativ lassen sich AfD-Wähler ihm zufolge kaum noch erreichen. "Wer AfD wählen will und dieser Meinung ist, lässt sich meist nicht mehr überzeugen." Wenn, dann seien es diejenigen, die noch schwankten. "Was wir eigentlich bräuchten, wäre eine intensivere Kommunikation in der Gesellschaft, den Dialog. Aber das ist schwierig, weil viele das gar nicht wollen. Es ist eine allgemeine Stimmung, die sich Luft machen will. Dagegen kommt man schwer an", räumte Feige ein.

Zugleich betonte er: "Ich verzweifle nicht. Ich sehe das als eine große Herausforderung." Die Initiative "Bewusst wählen" des Bistums Magdeburg zur Landtagswahl am 6. September, die für Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität und Dialog eintrete, verbinde sich mit vielen anderen Kräften im Land. "Wir versuchen, unser Bestes zu geben, dass die freiheitliche Demokratie in Sachsen-Anhalt nicht verloren geht." (KNA)