Standpunkt

Zölibat: Der Fall Unfried sollte der Kirche zu denken geben

Priester im Messgewand mit gefalteten Händen
Bild: canva

Andreas Unfried will heiraten. Ein alltäglicher Satz – wäre Unfried nicht katholischer Priester. Für den Geistlichen aus dem unweit von Frankfurt gelegenen Oberursel bedeutet die Entscheidung für seine langjährige Partnerin zugleich die Entscheidung gegen sein Priesteramt. Nach 37 Jahren als Seelsorger hat er gegenüber dem Limburger Bischof Georg Bätzing seinen Amtsverzicht erklärt. "Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe", schreibt Unfried in seinem Abschiedsbrief und erklärt, er habe versucht, den Zölibat zu leben. Nun will er offiziell seiner "zweiten Berufung" folgen und heiraten.

Dass diese Nachricht viele Menschen in Oberursel überrascht und manche auch enttäuscht, ist verständlich. Denn Unfried hatte seine Beziehung über Jahre geheim gehalten. Doch sein Fall wirft eine grundsätzlichere Frage auf: Warum zwischen diesen beiden "Berufungen" entscheiden?

Offenbar hat Unfrieds Beziehung ihn nicht daran gehindert, ein engagierter Seelsorger und Pfarrer zu sein. Mit Herzblut sei er dabei gewesen, wird über ihn gesagt. 16 Jahre lang hat er dabei die Kirche in Oberursel geprägt; schließlich nahm das Großpfarreien-Konzept im Bistum Limburg dort seinen Anfang. Doch die Gemeinde vor Ort verliert damit einen erfahrenen Pfarrer und muss einen Priester aus dem Ruhestand zurückholen, um die Lücke zu schließen. Deutlicher kann der Widerspruch kaum sein.

Es wäre daher nur logisch, dass die Kirche sich der Frage des Pflichtzölibats stellt. Vor allem, während sie um Nachwuchs ringt, Gemeinden zusammenlegen muss und immer weniger Geistliche immer größere Räume betreuen. Durch das Festhalten an der Regelung verliert sie nicht nur gute Seelsorger wie Unfried. Ihr entgehen auch Theologen, die sich das Priesteramt vorstellen können, aber von der vorgeschriebenen Lebensweise abgeschreckt sind.

Das muss nicht heißen, dass der Zölibat ganz abgeschafft werden sollte. Wer sich zu dieser Lebensform berufen fühlt, soll sie Leben. Doch sie allen Priestern vorzuschreiben und dadurch andere auszuschließen, kann sich die Kirche heute nicht mehr leisten. Und das nicht nur wegen des Personalmangels.

Mario Trifunovic

Der Autor

Mario Trifunovic ist Redakteur bei katholisch.de.

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