Standpunkt

Was Kirche kann – in Häfen und anderswo

Was Kirche kann – in Häfen und anderswo
Bild: KNA/Markus Schönherr

Mindestens neun von zehn Gütern kommen per Schiff über die Weltmeere zu uns. Das ist mir in der vergangenen Woche klar geworden, als ich Dreharbeiten im Hafengebiet von Bremerhaven begleitete. Ein Kamerateam produzierte einen Einspielfilm für einen Gottesdienst, den das ZDF am 3. Oktober zum "Tag der deutschen Einheit" live aus Bremen überträgt. Dieser Film zeigt die Arbeit von Seeleuten und stellt die katholische Seemannsmission "Stella Maris" vor.

Es ist wichtig, im Fernsehen auf beides aufmerksam zu machen, denn ohne Seeschifffahrt gäbe es keinen weltweiten Handel mit Rohstoffen und Konsumgütern. Doch die Bedeutung der Seeschifffahrt wird unterschätzt. Erst wenn Lieferketten reißen oder der Schiffsverkehr wegen eines Unfalls oder Krieges ins Stocken gerät, wird sie sichtbar – wie derzeit in der Straße von Hormus.

Die Seeleute stammen aus aller Welt, etwa von den Philippinen oder aus Russland oder der Ukraine. Ihre harte, entbehrungsreiche Arbeit nimmt die Öffentlichkeit kaum wahr. Monatelang arbeiten sie an Bord, verzichten auf ein geregeltes Familienleben, werden nicht selten ausgebeutet. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in den Häfen, so verständlich sie sind, erschweren ihren Alltag zusätzlich.

Umso wertvoller ist die Tätigkeit der Seemannsmission: Sie unterstützt die Seeleute bei kurzen Landgängen, organisiert Fahrten zum Supermarkt und hilft bei der Versorgung mit Medikamenten. Sie bietet Freizeitmöglichkeiten außerhalb des engen Schiffs, bietet einen kostenlosen Internetzugang und ermöglicht so den Kontakt zu den Angehörigen. Theologen nennen das "diakonisch Kirche sein".

Auch hier gilt: Seelsorge fängt nicht erst im Gottesdienst, in der Kapelle an. Sondern beim Zuhören, bei der Hilfe im Alltag – unabhängig von der Religion und Nationalität der Seeleute. Was die Seemannsmission in den Häfen leistet, leisten kirchliche Einrichtungen auch anderswo. Es ist zeigt, was Kirche kann. Und was bedroht ist, wenn kirchenfeindliche Parteien an Macht und Einfluss gewinnen.

Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.