Standpunkt

Trennt euch von den Kirchen

Kardinal vor Petersdom
Bild: Alessia Giuliani/CPP/KNA

Minimalismus ist im Trend, erklärt der bekannte Ordensmann Manuel Sandesh. Ein Impuls für die Kirche in Deutschland? Kirchgebäude zeitnah übergeben, dazu ermutigte jetzt auch der Architekt Andreas Roth.

Der scheinbar moderne Minimalismus ist eigentlich nur die Biedermeiervariante der Jesusbewegung. Während Jesus fordert: "Nehmt nichts mit auf den Weg" (Lk 9,3), betont der Minimalismus doch erholsam, dass man auf alles verzichten kann, was keinen Nutzen mehr erfüllt.

Die Jünger sind Gäste bei anderen, sie gründen Gemeinden, sie ziehen weiter. Diese Unbequemlichkeit würde der deutschen Kirche guttun. Getrieben von der finanziellen Realität zeigen viele Bistümer mittlerweile diese Entschlossenheit zur Veränderung.

Die Schließung von Kirchen, die Gründung von Großpfarreien, das sind alles Projekte, die mir selbst im Pfarrgemeinderat zutiefst zuwider waren. Heimat, Zugehörigkeit, ein Gebäude, das mein Leben und meinen Glauben geprägt hat.

Dass eine Kirche dieses Bedürfnis erfüllen konnte, zeigt sich besonders dann, wenn die drohende Schließung Wogen des ehrenamtlichen Engagements zu Tage fördert. Trotzdem darf ruhig auch einmal die Frage gestellt werden: Ist der Einsatz für Gebäude unser Auftrag?

Der Minimalismus verzichtet nicht aus einem Selbstzweck heraus, sondern um Blick für das Wesentliche freizumachen. Gemeinschaft braucht kein halbleeres Gebäude und Verkündigung keine Kanzel.

Wir müssen uns heute "an ein nie dagewesenes 'Anders' gewöhnen", erklärt auch Architekt Roth. Und es ist dringend nötig, dass die katholische Kirche in Deutschland dafür einen gemeinsamen Weg findet. Dazu gehört auch jeder einzelne Gläubige vor Ort – und jede Menge Ehrlichkeit.

Es reicht angesichts des Rückgangs der Mitgliederzahlen für die Katholiken in Deutschland einfach nicht mehr, dem bescheidenen Ordensleben anderer zu applaudieren oder ein bisschen im Bücherregal auszusortieren. Es muss jetzt da verzichtet werden, wo es weh tut. Schließlich geht es nicht darum, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, sondern dass sie es sind. Also schließt die Kirchen. Gebt sie ab. Machen wir uns frei für das, was unser Christsein wirklich ausmacht.

Carina Adams

Die Autorin

Carina Adams ist Redakteurin bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.