Es gibt Menschen, bei deren Namen meine sechsjährige Tochter sofort hellhörig wird. Nina Chuba oder Taylor Swift gehören noch nicht dazu. Auch irgendwelche Sportler oder Influencer kommen in ihrer Welt noch nicht vor. Aber sagen Sie in ihrer Gegenwart mal "Heiner Koch" – dann leuchten ihre Augen sofort vor Begeisterung. Der Berliner Erzbischof ist definitiv einer ihrer großen Helden.
Angefangen hat das Ganze im Mai. Meine Tochter war damals mit ihrer Kita-Gruppe zu einem Gottesdienst für Vorschulkinder in der Berliner Hedwigs-Kathedrale. Anschließend kam die Gruppe noch mit dem Erzbischof ins Gespräch. Dabei zeigte er den Kindern unter anderem seinen Hirtenstab und erklärte ihnen, wozu der eigentlich da ist. Diese Begegnung hat bei meiner Tochter bleibenden Eindruck hinterlassen.
Erzbischof Koch ist bei uns jetzt eine feste Größe
Als sie am Nachmittag nach Hause kam, sprudelte sie geradezu über vor Begeisterung. Sie erzählte vom Gottesdienst und von der Begegnung mit dem Erzbischof. Seitdem ist Heiner Koch als "Bischof Heiner", wie sie ihn nur nennt, bei uns eine feste Größe. Wenn zu Hause oder im Hochgebet des sonntäglichen Gottesdienstes der Name von "Bischof Heiner" fällt, reagiert sie immer mit einem freudigen Strahlen.
Vor einigen Wochen dann hatte ich für katholisch.de einen Interviewtermin bei Erzbischof Koch. Natürlich erzählte ich vorher zu Hause davon. Das hätte ich besser nicht tun sollen – oder vielleicht gerade doch. Meine Tochter war jedenfalls völlig aus dem Häuschen. Und sie hatte einen wichtigen Auftrag für mich: Ich müsse "Bischof Heiner" unbedingt von ihr grüßen! Nun gehört es nicht unbedingt zum journalistischen Standardrepertoire, einem Interviewpartner Grüße der eigenen Tochter auszurichten. Aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen. Also erfüllte ich den Auftrag pflichtbewusst und richtete dem Erzbischof die Grüße aus. Damit war die Sache für meine Tochter erledigt – dachte ich jedenfalls. Heiner Koch wusste nun, dass es sie gibt; mehr konnte sie doch eigentlich nicht verlangen.
Im Sommerurlaub auf Fehmarn – im Bild die Insel mit der Fehmarnsundbrücke – kam es zur Beinahe-Begegnung mit dem Berliner Erzbischof.
Wiederum ein paar Wochen später waren wir als Familie dann im Urlaub auf Fehmarn. An einem unserer Urlaubstage machten wir an einem Café Halt, um Kuchen zu kaufen. Ich stieg aus dem Auto und sah im Café eine Person, bei der ich dachte: Moment mal, das ist doch Erzbischof Koch! Allerdings war ich mir nicht ganz sicher, und blamieren wollte ich mich auch nicht. Außerdem befand ich mich zu diesem Zeitpunkt voll im Urlaubsmodus: Kopf leer, Hose kurz, Kuchen im Blick. Also sagte ich nichts, ging ins Café, kaufte den Kuchen und stieg wieder ins Auto.
Später erzählte ich meiner Fau und den Kindern: "Ich glaube, ich habe vorhin Erzbischof Koch im Café gesehen." Meine kleine Tochter war entsetzt. Nicht nur ein bisschen enttäuscht, sondern ehrlich empört. Wie konnte ich nur? Ich hätte doch mit ihr hineingehen müssen! Natürlich hätte sie den Erzbischof begrüßen wollen. Schließlich kann man "Bischof Heiner" doch nicht einfach irgendwo sitzen sehen und dann kommentarlos Kuchen kaufen gehen.
Wenn "Bischof Heiner" auftaucht, ist alles andere unwichtig
Im Nachhinein muss ich zugeben: Sie hat einen Punkt. Vielleicht hätte ich tatsächlich hingehen sollen. So, wie ich den Erzbischof kenne, wäre es sicher eine nette Begegnung geworden. Ich habe jedenfalls gelernt: Wenn man mit seiner sechsjährigen Tochter unterwegs ist, sollte man seine Prioritäten gelegentlich überprüfen. Kuchen ist wichtig. Urlaub ist wichtig. Aber wenn plötzlich "Bischof Heiner" auftaucht, ist das alles unwichtig.
Übrigens: Inzwischen habe ich herausgefunden, dass es tatsächlich Erzbischof Koch war, den ich in dem Café gesehen habe. Ich hoffe, der Kuchen dort hat ihm genauso gut geschmeckt wie meiner Tochter.