"Wegschauen ist nicht neutral"

Dyba-Allee: Missbrauchsbetroffene appellieren vor Abstimmung

Dyba-Allee: Missbrauchsbetroffene appellieren vor Abstimmung
Bild: KNA/Volker Hasenauer

Betroffene von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich haben die Lokalpolitiker von Fulda aufgerufen, am kommenden Montag für eine Umbenennung der Johannes-Dyba-Allee zu stimmen. Hintergrund sei Dybas Verantwortung im Umgang mit sexualisierter Gewalt in seiner Amtszeit als Erzbischof, heißt es in der Erklärung des gemeinsamen Betroffenenbeirats der Bistümer Fulda und Limburg vom Freitag. "Wegschauen ist nicht neutral. Sexueller Missbrauch kann und konnte über Jahrzehnte auch deshalb fortbestehen, weil Verantwortliche nicht eingegriffen, Betroffene nicht ausreichend geschützt und institutionelle Interessen priorisiert haben."

"Fortwirkende öffentliche Würdigung"

Die Frage nach Verantwortung dürfe nicht darauf reduziert werden, ob Dyba strafrechtlich relevantes Verhalten nachzuweisen sei, betonte der Beirat. "Für Betroffene ist es schwer erträglich, wenn eine Person weiterhin öffentlich geehrt wird, obwohl in ihrem Verantwortungsbereich notwendiges Eingreifen unterblieb. Eine Straßenbenennung ist keine neutrale Dokumentation von Geschichte, sondern eine bis heute fortwirkende öffentliche Würdigung." Diese Würdigung solle Dyba durch die Stadt Fulda nicht länger erfahren.

Am Montag soll dann die Stadtverordnetenversammlung über die mögliche Umbenennung entscheiden. Die Chancen dafür sind ungewiss. Ein entsprechender Empfehlungsantrag hatte im Haupt- und Finanzausschuss der hessischen Stadt zu Beginn dieser Woche keine Mehrheit erreicht.

Dem vor mehr als 25 Jahren gestorbenen Erzbischof wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht nachgegangen zu sein. Dies geht aus einem im Juni 2025 veröffentlichten Bericht einer unabhängigen Kommission hervor. Die SPD hatte im Fuldaer Stadtparlament deshalb die Umbenennung der nach Dyba benannten Allee in Kastanienallee beantragt – so wie die rund 150 Meter lange Straße am Domplatz bis zum Jahr 2000 hieß. (KNA)