Müssen ein König oder eine Königin eigentlich gläubig sein? In den europäischen Monarchien ist das Christentum tief in der Geschichte des Amtes verwurzelt. Könige und Königinnen wurden gesalbt, gekrönt und verstanden sich als Herrscher von Gottes Gnaden. Heute aber regieren sie nicht mehr im Namen Gottes, sondern repräsentieren parlamentarische Demokratien. Und ihre Untertanen gehören längst nicht mehr selbstverständlich einer Kirche an.
Wie persönlich der Glaube eines Monarchen dennoch sein kann, zeigte der jüngst verstorbene König Harald V. von Norwegen. Er trug seine persönliche Frömmigkeit nicht demonstrativ vor sich her, sprach aber immer wieder erstaunlich offen über seinen Glauben.
In einem Interview mit der christlichen Zeitung "Vårt Land" aus dem Jahr 1995, das anlässlich seines Todes wiederholt wurde, sagte er, er sei dankbar für die "Kraft der gefalteten Hände". Auch die Segnung seines Königtums im Nidarosdom 1991 beschrieb Harald später als eine tief persönliche Erfahrung.
Tolerantes Verständnis
Sein Christentum war dabei mit einem ausgesprochen toleranten Verständnis seines Amtes verbunden. Harald sah sich als König aller Norweger – unabhängig davon, welcher Religion sie angehörten, oder ob sie überhaupt religiös waren.
Das zeigte sich besonders in einer viel beachteten Rede im Jahr 2016. Darin sprach er von Norwegern, die an Gott, an Allah oder an das Universum glaubten, ebenso wie von Menschen, die an nichts glaubten. Entscheidend sei nicht die Religion, sondern dass alle zum Land gehörten.
Damit erkannte er an, dass Norwegen ein vielfältig gewordenes Einwanderungsland ist. In Norwegen wie in Großbritannien, Dänemark oder Schweden leben Menschen mit christlichem, muslimischem, jüdischem, hinduistischem, buddhistischem oder Sikh-Hintergrund – und ebenso Menschen, die keiner Religion angehören. Aus dem christlichen Monarchen wird zunehmend ein Repräsentant einer multireligiösen und säkularen Gesellschaft.
Das christliche Erbe ist auch in Norwegen überall spürbar.
Wie stark diese Entwicklung inzwischen zum Selbstverständnis moderner Monarchien gehört, zeigte sich auch nach dem Tod von Königin Elizabeth II. im September 2022. Vertreter muslimischer, jüdischer, hinduistischer und Sikh-Gemeinschaften kondolierten ebenso wie Vertreter der christlichen Kirchen. Bei der Staatsbeerdigung waren zahlreiche Religionen vertreten.
Auch nach Haralds Tod kamen Beileidsbekundungen aus unterschiedlichen Religionsgemeinschaften. Vertreter der muslimischen und jüdischen Gemeinschaft in Norwegen würdigten den König und seine Haltung gegenüber religiösen Minderheiten.
Darin zeigt sich die besondere Rolle eines Monarchen in der heutigen Zeit: Er oder sie gehört selbst einer religiösen Tradition an, repräsentiert jedoch zugleich Menschen, die diese Religion nicht teilen.
Die Verfassung schreibt die Religion vor
In Norwegen muss sich der König nach der Verfassung zur evangelisch-lutherischen Religion bekennen – so auch in Dänemark. Die evangelisch-lutherische Kirche ist nach der Verfassung die dänische Volkskirche und wird vom Staat unterstützt. Zugleich muss der Monarch ihr angehören.
Für Königin Margrethe II., die von 1972 bis 2024 regierte, war Religion keine Angelegenheit, die sich nur auf den Sonntag bezog. Sie sprach wiederholt über die Bedeutung ihres Glaubens und bezeichnete sich als überzeugte Christin.
In seinem kurz nach der Thronbesteigung im Januar 2024 erschienenen Buch "Kongeord" nahm König Frederik X. ausführlich Stellung zu seinem Glauben. Er sagte, das Christentum habe für ihn heute eine größere Bedeutung als früher, und er gehe gerne in die Kirche. Die Familie habe stets gemeinsam gebetet, und die beiden jüngsten Kinder wünschten weiterhin, dass kurz vor dem Lichtlöschen das Vaterunser mit ihnen gesprochen werde.
Der britische König Charles III. trägt den Titel "Verteidiger des Glaubens".
Zugleich appellierte der König an die Dänen, das evangelisch-lutherische Kulturerbe zu bewahren. Denn christliche Kernwerte wie Vergebung, Barmherzigkeit und Nächstenliebe hätten die Gesellschaft erst so frei und tolerant gemacht.
Auch in Schweden gehört das Christentum zur Tradition des Königshauses, obwohl die evangelisch-lutherische Kirche dort seit 2000 nicht mehr Staatskirche ist. König Carl XVI. Gustaf ist Mitglied der Kirche von Schweden. Wie bei den anderen skandinavischen Monarchien gehören Taufen, Trauungen und Gottesdienste weiterhin selbstverständlich zum öffentlichen Leben der Königsfamilie.
In Großbritannien ist die Verbindung zwischen Krone und Christentum noch enger. König Charles III. ist das weltliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England und trägt den traditionellen Titel "Defender of the Faith" (Verteidiger des Glaubens). Zugleich ist er Monarch einer ausgesprochen multireligiösen Gesellschaft.
Verteidiger der Religionen
Charles bezeichnet sich selbst als überzeugten Christen, hat aber immer wieder den Dialog mit anderen Religionen gesucht. Schon früh hat er überlegt, wie der Titel "Verteidiger des Glaubens" in einer multireligiösen Gesellschaft zu interpretieren wäre. Dafür hat er anfangs enorme Kritik geerntet, später galt er als innovativ.
Schon Elizabeth II. hatte diese doppelte Rolle verkörpert. Sie war eine überzeugte Christin und zugleich Königin einer Gesellschaft, die sich während ihrer 70-jährigen Regentschaft tiefgreifend veränderte. Ihre Weihnachtsansprachen richteten sich zunehmend nicht nur an Christen, sondern an Menschen unterschiedlichen Glaubens und auch an Menschen ohne religiöse Bindung. Nach dem Jahr 2000 besuchte sie zunehmend auch Moscheen, Synagogen, Hindu- und Sikh-Gemeinden.
Auch unter den katholischen Monarchen Europas ist Religion weiterhin Teil der Identität des Amtes. König Felipe VI. von Spanien ist Katholik, ebenso sein Vater Juan Carlos. In Belgien gehören König Philippe und Königin Mathilde der katholischen Kirche an; auch das luxemburgische Großherzogshaus wie das liechtensteinische Fürstenhaus stehen fest in der katholischen Tradition.
Besonders eng ist das Verhältnis von Krone und katholischem Glauben in Monaco: Papst Leo XIV. und Fürst Albert II. von Monaco im Vatikan.
Besonders eng ist das Verhältnis von Krone und katholischem Glauben in Monaco: Fürst Albert II. ist Katholik, und die monegassische Verfassung schreibt dem Fürsten diese Konfession sogar ausdrücklich vor.
Die katholischen Königshäuser stehen damit vor derselben Herausforderung wie ihre protestantischen Pendants: Sie bewahren eine religiöse Tradition, repräsentieren aber Gesellschaften, die längst weltanschaulich vielfältiger geworden sind. Die religiöse Zugehörigkeit des Monarchen sagt allerdings immer weniger darüber aus, wie stark sein oder ihr persönlicher Glaube ausgeprägt ist.