Der ernannte Eichstätter Bischof Christian Würtz ist am Freitag staatlich vereidigt worden. Vor dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) schwor der 55-jährige Würtz im Münchner Prinz-Carl-Palais "Deutschland und dem Lande Bayern" die Treue. Dabei legte Würtz seine rechte Hand auf eine Bibel. Hinter der aufgeschlagenen Eidesformel stand auf dem Tisch ein Kruzifix. Ins Amt als Erzbischof eingeführt werden soll Würtz am 4. Oktober im Eichstätter Dom; er wird dann der jüngste Ortsbischof in Deutschland sein. Würtz war im Juli von Papst Leo XIV. zum Bischof von Eichstätt ernannt worden, zurzeit ist er noch Weihbischof im Erzbistum Freiburg.
Mit dem Eid verpflichtet sich ein Bischof in Bayern mit seinen Priestern zur Achtung der verfassungsmäßigen Ordnung. Söder und Würtz bekannten sich in ihren Ansprachen zu einer engen Zusammenarbeit von Staat und Kirche. Söder sagte, es sei sein Wunsch, dass die Kirche nah bei den Menschen bleibe und auch in ihrem Alltag präsent sei. Aber anders als eine Wohlfahrtsorganisation solle sie auch die letzten Fragen des Lebens nicht aus dem Auge verlieren. Wichtigste Aufgabe sei wohl, Hoffnung zu geben. Würtz wirke auf ihn optimistisch, das sei schon mal ein gutes Zeichen in Zeiten, in denen manche den Weltuntergang schon für den nächsten Tag erwarteten.
Der künftige Eichstätter Bischof widersprach der Auffassung, der Treueid sei ein Zeichen der Unterordnung der Kirche unter den Staat oder eine unzulässige Vermengung beider Sphären. "Die Treue zum Evangelium und zur Kirche steht nicht im Widerspruch zur Verantwortung für unser Land und für die Menschen, die hier leben. Angesichts der christlichen Prägung unseres Landes und des Freistaats ist man fast versucht zu sagen: ganz im Gegenteil." Würtz betonte: "Angesichts des freiheitlichen und demokratischen Systems, das uns in Deutschland und in Bayern geschenkt ist, fällt mir die Zusicherung, alles, was in meiner beschränkten Macht steht, zu versuchen, Schaden von diesem Staatswesen abzuwenden, nicht nur leicht, sondern sie drängt sich geradezu auf." Die Kirche verstehe sich nicht einfach nur als Profiteur von staatlichen und verfassungsrechtlichen Freiheiten. "Sie bindet sich in aller Freiheit."
Würtz sieht sich in Tradition von Oli Kahn
Angesichts seines Wechsels von Baden nach Bayern zog der 55-Jährige einige Verbindungslinien zu anderen prominenten Einwanderern, "die nach Bayern gezogen sind und dort sehr wohl gelitten waren und sind". Namentlich nannte Würtz Bayerns erste Königin Karoline, Dirigent Joseph Keilberth und Torwartlegende Oliver Kahn. "Alles gebürtige Karlsruher wie ich." Würtz führte aus, seine Bezüge zu Bayern seien nicht überbordend, aber es gebe doch einige: "Immerhin wurde meine Großmutter väterlicherseits 1917 im Königreich Bayern geboren, wie auf ihrer Geburtsurkunde vermerkt ist. Allerdings war dies in Königsbach bei Neustadt an der Weinstraße." Dieser Teil der Pfalz gehörte damals zu Bayern. Zudem habe er während der Priesterausbildung ein Jahr lang in Würzburg gelebt.
"Auch war ich aus ganz unterschiedlichen Gründen schon in vielen Gegenden Bayerns: zum Urlaub im Chiemgau und in Ottobeuren, zur Wallfahrt in Altötting, zum Bekannten- und Museumsbesuch in München, zu Exerzitien auf Schloss Hirschberg, zum Kulturtrip in Bamberg und Nürnberg." Sein Bild von Bayern speise sich also nicht nur aus den landläufigen Klischees, sondern auch aus eigenem Erleben. "Und ich kann daher, am Beginn meiner Zeit in Bayern, nicht nur sagen: Es hätte schlimmer kommen können, sondern: Ich habe es gut erwischt beziehungsweise korrekter: Der Heilige Vater hat es gut mit mir gemeint." Söder versicherte ihm: "Sie sind ja kein gebürtiger Bayer, aber das ist nicht schlimm." Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, sagte voraus, er habe keine Sorge, dass – wie auch bei ihm als gebürtigem Westfalen – die Inkulturation im Freistaat gelingen werde. Die Bayernhymne zum Abschluss des Zeremoniells sang Würtz noch nicht mit. (tmg/KNA)