Synodalität lässt sich nach den Worten des Luxemburger Kardinals Jean-Claude Hollerich nicht mehr rückgängig machen. Es gehe darum, von einer Kirche "von oben" zu einer Kirche zu kommen, in der Christen Verantwortung übernehmen und gehört werden, sagte der 68-Jährige in einem am Sonntag in der österreichischen Tageszeitung "Kurier" veröffentlichten Interview.
"Wir brauchen eine Kirche der Christen, wo ich als Bischof unter den Christen bin", sagte der Kardinal weiter. Veränderungen seien notwendig, müssten aber von der gesamten Kirche getragen werden, "sonst gibt es Streit und Spaltung".
Ein Unterstützer des Prozesses ist Hollerich zufolge Papst Leo XIV. Dessen zurückhaltendere Äußerungen erklärte der Kardinal unter anderem mit Leos Anliegen, die Einheit der Kirche zu wahren. Leo habe im Vorkonklave erlebt, wie stark Franziskus kritisiert worden sei.
Unterschiedliche Sicht auf Reformen
Der Kardinal, der Generalrelator der Weltbischofssynode 2023 und 2024 war, betonte allerdings auch die unterschiedlichen Reaktionen auf den synodalen Prozess in den verschiedenen Teilen der Welt. Bei einem Besuch bei Bischöfen in Asien habe er festgestellt, dass die Entwicklung dort "sehr positiv gesehen" werde.
In Europa gebe es dagegen konservative Strömungen, die es "in diesem Maße" sonst mit Ausnahme Nordamerikas nicht gebe. Wie lange der Wandel noch dauern werde, könne er nicht sagen.
Mit Blick auf die Entwicklung der Kirche in Europa sprach der Kardinal von einem "Schrumpfungsprozess, der auch ein Gesundungsprozess ist". Weniger Geld und Personal seien dabei nicht zwangsläufig ein Hindernis für kirchliches Leben. "Man kann auch Kirche leben, wenn man kein Geld hat", sagte Hollerich. Auch müsse die katholische Kirche bescheidener und freier auftreten. Sie solle "moralische Größe zeigen, aber nicht von oben belehrend". (KNA)