Standpunkt

Was ist nötig, damit sich jemand Neues in der Kirche willkommen fühlt?

Was ist nötig, damit sich jemand Neues in der Kirche willkommen fühlt?
Bild: Fotolia.com/ArTo

Bei seiner aktuellen Frankreichreise zeigt sich Papst Leo XIV. erstaunt darüber, wie viele Menschen sich dort neu für den Glauben interessieren. Manchmal frage ich mich: Sind wir bereit, wenn auch in Deutschland Suchende zu uns kommen, wie es sich an manchen Orten bereits abzeichnet? Sind unsere Gottesdienste so, dass sich jemand Neues willkommen fühlt und Lust hätte, wiederzukommen? Würde sie oder er wissen, an wen man sich mit eigenen Fragen wenden könnte (und sich das auch trauen)? Im Sommerurlaub bin ich in Norddeutschland zufällig in eine Gemeinde gekommen, die sich offenbar über dieses Thema Gedanken gemacht hat.

Vor der Kirchentür stand eine Frau, die uns herzlich willkommen geheißen hat: "Schön, dass Sie da sind!" Die Kirche war voll und es waren viele Nationalitäten vertreten. Unabhängig von ihrer Herkunft scheinen sich Menschen dort wohlzufühlen.

Der Gottesdienst war gut vorbereitet. Die Predigt hielt der Pfarrer frei, nur unterstützt von kleinen Stichwortzetteln. Es waren also sicher seine Worte und nicht die eines anderen oder einer künstlichen Intelligenz.

Währenddessen fand eine liebevoll gestaltete Kinderkirche statt. Erwachsene mit Nachwuchs im entsprechenden Alter bekamen einen Moment der Ruhe geschenkt.

Ein besonderes Highlight waren für mich die Vermeldungen. Der Pfarrer fragte zuerst, ob ein bestimmter junger Mann da wäre. Als klar wurde, dass er in der Bank saß, fragte er ihn, ob er inzwischen eine Wohnung gefunden hätte. Nachdem er das verneinte, sagte der Pfarrer an alle gerichtet: "Er ist fürs Studium aus einem anderen Land hierhergezogen. Wenn jemand einen Tipp für eine Wohnung hat, melden Sie sich doch einfach im Pfarrbüro." So stelle ich mir praktische Nächstenliebe vor.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle zum Kirchencafé eingeladen. Wer also zum Beispiel das erste Mal da war, konnte noch ins Gespräch mit anderen kommen.

Letztlich braucht es nicht viel – vielleicht vor allem, sich einmal in eine fremde Perspektive hineinzuversetzen: Wenn ich neu hier wäre, wie würde es mir gehen? Was würde ich brauchen, um mich willkommen zu fühlen und den Eindruck zu haben, ich bekomme hier etwas für mein Leben?

Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.