Nach Worten des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl sind Menschen heutzutage auch deswegen unzufrieden, weil ein Leben nach dem Tod für sie keine Rolle mehr spielt. "Der Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus schenkt auch unserem irdischen Leben einen ungeheuren Mehrwert", sagte der Erzbischof am Sonntag beim Andechser Dreihostienfest, wie das Kloster mitteilte. Der Glaube eröffne eine Dimension von Leben, Liebe und Geborgenheit sowie Freude und Zuversicht, die kein weltlicher Besitz und keine zwischenmenschliche Beziehung erreichen könne, so Gössl weiter. Mit solch einer Perspektive relativiere sich das irdische Leben insofern, als dass man dann nicht mehr alles aus seiner begrenzten Lebenszeit herausholen müsse.
Die drei Hostien in Andechs sollen auf die Päpste Gregor den Großen (540–604) und Leo IX. (1002–1054) zurückgehen. Sie kamen im 12. Jahrhundert aus Rom über Bamberg auf die Andechser Burg. Etwa seit dieser Zeit ist auch die Andechser Wallfahrt bezeugt, damit gilt sie als älteste Bayerns. Nach der Zerstörung der Burg um 1248 galten die drei Hostien wie der restliche Klosterschatz über 100 Jahre lang als verschollen. Es erregte großes Aufsehen, als sie 1388 wiederentdeckt wurden. Herzog Ernst von Bayern förderte nach kurzer Unterbrechung im 14. Jahrhundert erneut Wallfahrt und Seelsorge auf dem Heiligen Berg. Sein Sohn Herzog Albrecht II. stiftete das Kloster.
Das Kloster Andechs besteht seit 1455 und beherbergt eine Gemeinschaft von Benediktinermönchen. Seit 1850 erzielt das Kloster als Wirtschaftsgut der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München – gemäß dem Stiftungsauftrag König Ludwigs I. – die Einkünfte für die Abtei. Seit 2003 leitet Abt Johannes Eckert die Gemeinschaft mit etwa einem Dutzend Mönche in München und Andechs, zu denen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinzukommen, die nicht dem Orden angehören. Auch wenn es zur Abtei Sankt Bonifaz in München gehört, steht das Kloster Andechs auf dem Gebiet des Bistums Augsburg. (KNA)