8 statt 14 Fachgruppen

Bischöfliches Stühlerücken: Die Aufgaben der neuen Kommissionen

Bischöfe haben bei einem Gottesdienst im Fuldaer Dom die Hände gefaltet
Bild: KNA/Julia Steinbrecht

"Deutlich ist für uns: Die Themen der Deutschen Bischofskonferenz müssen in neue Strukturen integriert werden", sagte der damalige DBK-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, im Pressebericht zum Abschluss der Herbstvollversammlung im vergangenen Jahr. Damals stellte er die Neuordnung der bischöflichen Kommissionen vor. "Damit ist auch die Idee verbunden, dass sich die zukünftige Kommissionsarbeit an intensiveren Beratungen von strategischen Fragen ausrichten soll."

Ein Jahr später ist Bätzing nun selbst Teil der Neuorganisation der Kommissionen: Der Limburger Oberhirte wird neuer Medienbischof. Der 65-Jährige folgt damit auf Kardinal Reinhard Marx, der nicht mehr kandidiert hatte. Bätzing ist damit sicherlich einer der überraschendsten neuen Vorsitzenden der acht bischöflichen Kommissionen – wobei seine Kommission die Einzige ist, die ihren ursprünglichen Titel und Zuschnitt weitgehend behalten hat. "Die Kommission begleitet den Auftrag der Kirche in einer digitalen Mediengesellschaft. Sie unterstützt auf übergeordneter, strategisch beratender Ebene die Weiterentwicklung der kirchlichen Medienarbeit", heißt es auf der Website der DBK. Eine fundierte und moderne Glaubenskommunikation über die Medien sei ebenso zentral für die Kirche wie ein ethisch getragener professioneller Journalismus für die Gesellschaft insgesamt. Themenschwerpunkte sind demnach der Wandel in der Mediennutzung sowie der Einfluss Künstlicher Intelligenz.

Kritik vom BDKJ

Einen Wandel gab es auch in der Kommission für Familie, Jugend und Erziehung. In diesem neuen Fachbereich sind die bisherigen Kommissionen für Erziehung und Schule, Ehe und Familie sowie Jugend zusammengefasst. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) monierte bereits im vergangenen Jahr, dass die Jugendkommission in dieser neuen Kommission aufgegangen sei. Es sei entscheidend, Kinder und Jugendliche nicht ausschließlich unter den Aspekten "Familie" oder "Erziehung" zu betrachten, sondern sie in ihrer gesamten Lebensrealität wahrzunehmen. "Wir erwarten von der Bischofskonferenz, dass sie mit uns in einen offenen Dialog tritt, um sicherzustellen, dass junge Menschen auch in der neuen Struktur weiterhin die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen."

Auf der Website der DBK heißt es dazu: "Im Bereich Jugend berät die Kommission aktuelle Entwicklungen in der Jugendpastoral und begleitet deren unterschiedliche Handlungsfelder, wie sie in den Leitlinien zur Jugendpastoral 2021 festgehalten worden sind." Daneben kümmert sich die Kommission um Themen wie Ministranten, Jugendsozialarbeit und Jugendverbände, Hochschul- und Schulpastoral, Weltjugendtage oder die "Bedeutung des Sports als gesellschaftlichem und pastoralem Handlungsfeld". Auch Pastoral für Ehe und Familie, für Geschlechter und Generationen sind demnach Teil der Aufgabenbeschreibung, genau wie Fragen der institutionellen Bildung von Kindern und Jugendlichen. Neuer Vorsitzender der Kommission ist der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Nach zehn Jahren als Flüchtlingsbischof widmet er sich künftig also einem anderen Thema.

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Der interreligiöse Dialog war bislang in einer Unterkommission angesiedelt. Künftig gibt es eine eigene Kommission für Ökumene und interreligiösen Dialog.

Das Thema Flucht und Migration wird künftig vom Rottenburger Bischof Klaus Krämer bearbeitet. Er leitet die Kommission Weltkirche und Migration, die sich – wie der Name schon andeutet – aus den bisherigen Kommissionen für Migration und für Weltkirche zusammensetzt. "Die Kommission pflegt die internationalen Kontakte der Deutschen Bischofskonferenz und trägt die Gesamtverantwortung für die überdiözesane weltkirchliche Arbeit in Deutschland", heißt es auf den Seiten der DBK. Die Kommission bearbeite auch gesellschaftlich-politische und pastorale Fragen im Themenbereich Migration und Flucht sowie das Engagement gegen Rassismus. Themenbereiche also, mit denen Krämer als ehemaliger Missio- und Sternsinger-Präsident bereits beschäftigt war. Die Begleitung der Hilfswerke erfolgt übrigens über Unterkommissionen dieser Kommission.

Das bischöfliche Stühlerücken betrifft auch die Kommission Ökumene und interreligiöser Dialog: Sie wird künftig vom bisherigen Weltkirche-Bischof Bertram Meier geleitet. Er beerbt den Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der im November 75 Jahre alt wird und den Papst bereits um Entpflichtung von seiner Aufgabe als Diözesanbischof gebeten hatte. Die neu gegründete Kommission fasst die Arbeit der bisherigen Ökumene-Kommission und der Unterkommission für interreligiösen Dialog zusammen. Der Dialog mit anderen Religionen steht damit – zumindest dem Namen nach – auf einer Stufe mit dem zu anderen christlichen Konfessionen. Die Kommission soll sich künftig mit den Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den anderen christlichen Kirchen in Deutschland beschäftigen. "Ihr Anliegen ist eine Stärkung der Ökumene auf dem Weg zur vollen sichtbaren Einheit der Kirche", heißt es auf der Website der DBK. Zudem soll der Kontakt zum Judentum und zum Islam gehalten und Fragen der interreligiöse Dialog gefördert werden.

Demokratie, Ökologie, Soziales und KI in einer Kommission

Die neu gegründete Kommission Gesellschaftliche und caritative Fragen wird sich künftig mit einer ganzen Vielfalt an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen befassen. "Das umfasst vor allem die Themen Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt, wirtschaftliche und soziale Ordnung, Ökologie und Landwirtschaft, caritative Fragen sowie (sozial-)ethische Folgen von Künstlicher Intelligenz", erklärt die Bischofskonferenz. Um dieses Themenfeld zu bearbeiten, stehen schon zwei Arbeitsgruppen fest, die die Kommission fachlich unterstützen sollen: eine Arbeitsgruppe für sozialpolitische Fragen und eine für ökologische Fragen. Als Vorsitzender wird der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz künftig auch Vorsitzender der Bischöflichen Arbeitsgruppe Europa und der Delegierte der DBK bei der Kommission der Bischofskonferenz der Europäischen Union (COMECE) in Brüssel sein. Auch die Caritas als Grundvollzug der Kirche fällt in den Zuständigkeitsbereich dieser Kommission. Die bislang bestehende Kommission für caritative Fragen geht darin auf.

Keine personellen Veränderungen gab es an den Spitzen der Glaubens-, der Liturgie- und der Pastoral-Kommission. Die Zuständigkeitsbereiche der jeweiligen Bischöfe haben sich gleichwohl erweitert: Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wird als Vorsitzender der Kommission für Glaube und Wissenschaft künftig eines der Themen übernehmen, die bisher zu der von Kardinal Rainer Maria Woelki geleiteten Kommission Kultur und Wissenschaft gehörten. Die neue Kommission Glaube und Wissenschaft wird sich künftig mit Fragen zur Glaubenslehre – etwa zu Gottesbild, Sakramenten- oder Amtsverständnis – aber auch mit bioethischen Fragen beschäftigen. Zudem sollen Entwicklungen in der Wissenschaft verfolgt werden. Insbesondere das Theologiestudium gehört laut DBK zum Verantwortungsbereich dieser Kommission.

Stellwand mit dem Logo des Synodalen Wegs und Teilnehmer unscharf im Vordergrund
Bild: © KNA/Bert Bostelmann (Symbolbild)

In der Kommission für Missionarische Pastoral und kirchliche Dienste werden "Pastoral- und Personalentwicklung im Horizont von Synodalität und Evangelisierung gemeinsam beraten", heißt es auf der Homepage der DBK. Der Vorsitzende der Kommission, Bischof Peter Kohlgraf, war auch Präsidiumsmitglied beim Synodalen Ausschuss.

Der zweite Themenbereich der bisher von Woelki geleiteten Kommission für Wissenschaft und Kultur geht künftig zur Liturgie-Kommission über. Diese wird weiter vom Trierer Bischof Stephan Ackermann geleitet. Neben allen Fragen rund um die Gottesverehrung in der Liturgie beschäftigt seine Kommission Liturgie und Kultur sich künftig auch mit der "Arbeit der katholischen Kirche in Deutschland als Kulturträger", heißt es auf der DBK-Website. "Dazu gehören kulturelle Einrichtungen ebenso wie Kirchengebäude und die Auseinandersetzung mit der Kunst sowie das Gespräch mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern."

Auch an der Spitze der Pastoralkommission gibt es keinen Wechsel: Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ist weiter für die Kommission zuständig, die künftig den Titel "Missionarische Pastoral und kirchliche Dienste" trägt. Die bisherige Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste – geleitet vom Stellvertretenden DBK-Vorsitzenden Bischof Michael Gerber – wurde somit in die Pastoralkommission integriert. Besonders interessant ist der Themenzuschnitt der Fachgruppe: "In der Kommission werden Pastoral- und Personalentwicklung im Horizont von Synodalität und Evangelisierung gemeinsam beraten", heißt es auf der Homepage der DBK.  Ein Schwerpunkt liege im Identifizieren der "Zeichen der Zeit" und der Frage, was diese für die kirchliche Praxis bedeuten können.

"Weiterentwicklung des synodalen Zusammenspiels"

Auch Glaubensweitergabe und Verkündigung gehören zur Aufgabe der neuen Kommission – "von niederschwelligen Formen der Glaubenskommunikation bis zur weiterführenden Katechese". Ebenso die "Weiterentwicklung des synodalen Zusammenspiels der Dienste und Ämter (Haupt- wie Ehrenamtlich) in der Sendung der Kirche".

Bei der eingangs erwähnten Vorstellung der Neuordnung der Kommissionen im vergangenen Jahr erklärte Bätzing, die Bischöfe hätten sich dazu verpflichtet, "dass die Bedeutung und Qualität der Kommissionsarbeit hochgehalten werden" müssten. Bischöfliche Beauftragte und Unterkommissionen müssten sich aus den Zielen der Kommissionen ableiten. Welche Beauftragungen und Unterkommissionen es künftig geben wird, ist öffentlich noch nicht bekannt. Was das alles konkret für die Arbeit der acht neuen Kommissionen bedeutet? Die kommenden fünf Jahre werden es zeigen.

Christoph Brüwer