"Oft sind es gerade diejenigen, die..."

Martin: Frühere Kritiker bitten mich um Verzeihung – und outen sich

Jesuit James Martin in Rom. Im Hintergrund: der Petersdom.
Bild: KNA/Francesco Pistilli

Den New Yorker Jesuiten James Martin erreichen immer häufiger Entschuldigungen von Menschen, die seine queere Pastoral zuvor kritisiert hatten. "Oft sind es gerade diejenigen, die mit ihrer eigenen Sexualität hadern und am meisten Wut empfinden", schreibt Martin in den sozialen Medien am Dienstag. Immer mehr solcher Nachrichten würde er erhalten; "Entschuldigungen von Menschen, die früher gegen die Arbeit mit LGBTQ-Personen protestiert haben und sich nun outen".

Martin hängte dem Beitrag einen Screenshot einer solchen Entschuldigung an. Darin schrieb der Autor der Nachricht, er habe in seinen früheren Jahren geglaubt, den Glauben verstanden und gewusst zu haben, was Gott wollen würde. "Und von so vielen Menschen hörte ich, dass Sie mein Feind und der Feind aller traditionellen Katholiken seien", heißt es weiter. Zudem habe er den Jesuiten immer häufiger verleumdet und anderen gegenüber schlecht über ihn geredet. Heute würde er erkennen, wie viel davon aus Angst geschehen war – "aus Angst vor meiner eigenen Queerness" und der Angst, ebenso beleidigt und ausgegrenzt zu werden. Das sei ihm zufolge eine "der großen Methoden der radikalen Traditionalisten"; er selbst aber sei gewachsen, habe sich verändert und bitte nun aufrichtig um Entschuldigung.

Dem Jesuiten folgen in den sozialen Netzwerken knapp über 700.000 Menschen. Deshalb holte ihn Leos Vorgänger Papst Franziskus (2013–2025) als Berater ins vatikanische Kommunikationsdikasterium. Martin hatte bereits im vergangenen Jahr eine Audienz mit Leo XIV. (mtr)