Jesuit James Martin: US-Katholiken begeistert von Papst Leo XIV.
Für den New Yorker Jesuiten James Martin ist das erste Amtsjahr von Papst Leo XIV. ein "voller Erfolg". Das Kirchenoberhaupt leiste "hervorragende Arbeit", sagte er dem katholischen Portal "Kirche und Leben" am Dienstag. Unter US-Katholiken sei Leo XIV. äußerst beliebt: "Meinem Eindruck nach sehnen sich sowohl Progressive als auch Traditionalisten nach mehr Einheit – und viele glauben, dass der Papst dazu beitragen kann."
Unterdessen wolle sich der Papst aus der reinen Politik heraushalten und meide parteipolitische Fragen, sagte Martin. "Doch wenn die Verkündigung des Evangeliums politische Konsequenzen zeitigt, denkt er meiner Meinung nach: So sei es."
Bischöfe fühlen sich wohler
US-Präsident Donald Trump und sein Vizepräsident JD Vance sind aus Martins Sicht mit ihrer Kritik am Papst deutlich zu weit gegangen. "Man muss sich das einmal vor Augen führen: Dem Stellvertreter Christi, der mit einzigartiger Autorität spricht, wird geraten, in theologischen Dingen Zurückhaltung zu üben", schildert Martin empört. Zugleich sei es "schlicht absurd", einem Mann wie Prevost, der zweimal Generalprior der Augustiner war, ausgerechnet während seiner Reise auf den Spuren des heiligen Augustinus zu unterstellen, er verstehe die Lehre vom Gerechten Krieg nicht, die auf Augustinus zurückgeht.
Laut dem Jesuiten fühlen sich viele US-Bischöfe mit Papst Leo wohler als mit seinem Vorgänger, der in "seiner überschwänglichen Art" auch mal Unordnung stiften wollte. Unter den Laien herrsche "beinahe allseitige Zuneigung" zu ihm. Darüber hinaus seien viele Amerikaner fasziniert davon, einen Papst perfektes Englisch sprechen zu hören. "Interessanterweise können die Menschen in den USA nicht mehr sagen, wie sie es oft bei Franziskus taten: Der Papst versteht die Vereinigten Staaten nicht."
Vorreiterrolle der Kirche in Deutschland
Martin, der sich als Seelsorger besonders für queere Menschen engagiert, sagte, Papst Leo wolle an Franziskus "Weg der Offenheit und Gastfreundschaft" auch für LGBTQ-Personen festhalten. Die englische Abkürzung LGBTQ steht vor allem für nicht-heterosexuelle Menschen, die sich etwa als lesbisch, schwul oder queer identifizieren. Die katholische Kirche in Deutschland habe bei der Seelsorge für LGBTQ-Personen eine Vorreiterrolle übernommen: "Die Offenheit, die dort gelebt wird, hat weltweit Wirkung gezeitigt und vielen LGBTQ-Katholiken neue Hoffnung gegeben", so Martin. (KNA)
