"Eingeladen zum Fest des Glaubens!" Dieses Lied von Eugen Eckert geht mir durch den Kopf, wenn ich das heutige Tagesevangelium lese. In dem Lied kommen alle zum Fest: Lahme, Kranke, Kinder, Alte. Im heutigen Evangelium gib es zwei Gruppen: die offiziell Eingeladenen, schriftlich und durch Boten, und die, die tatsächlich zum Fest kommen – Herbeigerufene von den Straßen.
So weit, so gut. Heftig zu lesen ist die Reaktion des Königs auf das Nichterscheinen der ersten Gruppe. Da wird gleich die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt. Der eine Gast ohne Festtagskleidung wird sogar in die Verdammnis und Finsternis geschickt. Wie kommt es, dass da eine solche Wut zum Ausdruck kommt? Was muss sich da alles in Jesus aufgestaut haben, dass er die Hohenpriester und Ältesten so vor den Kopf stößt? Der sonst so friedliebende, vergebende, liebende Jesus. Und dann wird dieses Gleichnis auch noch in die Reihe der Evangelien aufgenommen, als eine Geschichte, die es wert ist, bis heute vorgelesen zu werden. Schon etwas befremdlich.
Ich kann nicht anders, als von meinem Gottesbild ausgehend eine mildere Deutung heranzuziehen. Mich eingeladen zu fühlen und mich eher der zweiten Gruppe zuzuordnen. Ob sich heute überhaupt jemand der ersten Gruppe zugehörig fühlt? Ich möchte niemandem auf der Welt, schlage er auch noch so oft Gottes Einladung aus, den Tod wünschen oder die vollkommene Zerstörung seines Zuhauses. Und doch steht es da, als Wort Gottes. Es wäre leicht misszuverstehen, wäre da nicht der Satz, dass ALLE von der Straße kommen durften – Gute und Böse. Da macht Gott bzw. der König keinen Unterschied. Daran halte ich mich, um aus diesem Text etwas Hoffnungsvolles und Stärkendes herauszuziehen. Alle dürfen am großen Fest Gottes teilhaben. Es wird nicht nach Leistung oder Stand gefragt, auch nicht nach Taufe oder Gläubigkeit. Allein die Bereitschaft der Einladung zu folgen, genügt – ach ja, und die Kleidung, vielleicht gleichzusetzen mit meiner bewussten Annahme und Vorbereitung auf das Fest.
Und die Wut, die da zum Ausdruck kommt? Vom Zorn Gottes war ja schon in der griechischen Mythologie zu lesen. "Das kann unser Gott auch", höre ich da heraus. Oder? Ein Text, der zum Nachdenken anreget, weil er eben nicht so glatt zu lesen und zu verstehen ist. Vielleicht begleitet er Sie auch noch durch die Woche und Sie bekommen ihn zu fassen. Bis dahin lade ich sie ein, mitzusingen: "Eingeladen zum Fest des Glaubens!"
Evangelium nach Matthäus (Mt 22, 1–14)
In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.
Die Autorin
Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel und war zwischen 2012 und 2020 Kinderdorfmutter. Heute lebt sie als SPLG Mutter (Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften) mit zwei Kindern in Krefeld. Momentan sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.
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